Vodafone wird Unitymedia übernehmen

23.04.2018

Vodafone steht kurz vor dem Kauf des deutschen Kabelnetzbetreibers Unitymedia. Bereits im Februar hatte Vodafone erklärt, mit dem Unitymedia-Mutterkonzern Liberty Global über den Kauf von Kabelbeteiligungen zu sprechen. Der Deal hat, so schätzt es die Financial Times ein, ein Volumen von 16,5 Millionen Euro einschließlich der Übernahme von Verschuldungen.

Gegenstand der Verhandlungen - die unmittelbar vor dem Abschluss stehen -  sind Märkte, in denen beide Firmen tätig sind. Das ist in Deutschland – Unitymedia mit Sitz in Köln - , der Tschechische Republik, Ungarn und Rumänien der Fall.

Der Medienrechtler Dieter Dörr bezeichnete das Vorhaben als „faktische Remonopolisierung im deutschen Kabelmarkt“ (Quelle: epd medien 5/2017). Gemeinsam versorgen Vodafone und Liberty Global 86 Prozent aller deutschen Kabelhaushalte mit TV-Diensten. Dörr argumentierte, dass die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) die Vielfalt in diesem Marktsegment durch den Vodafones Kauf von Unitymedia  gefährdet sehen könne. Als Problem wird dabei das Nebenkostenprivileg betrachtet, das viele Mieter dazu zwingt, einen Kabelanschluss zu bezahlen und so de facto keine Wahlfreiheit lässt. Auch die Marktmacht beim Erwerb von TV-Rechten, insbesondere Livesport, wäre immens. In einem anderen Fall ist die EU gerade tätig geworden. In London wurden Büros von Fox Networks und Ziggo Sport untersucht. Der Verdacht: Absprachen beim Handel mit Sportrechten.

2013 hatte Vodafone, der weltweit zweitgrößte Mobilfunkanbieter, bereits Kabel Deutschland erworben. 2015 waren dann Gespräche über einen Zusammenschluss der Gesamtunternehmen Vodafone und Liberty Global gescheitert. Allerdings einigten sich beide Seiten in der Folge ihre Kabel- und Mobilfunkaktivitäten in den Niederlanden zusammenzulegen. Die Marken Ziggo und Vodafone blieben dort nebeneinander bestehen. Diesem Deal stimmte die Europäische Kommission im August 2016 zu.

Unitymedia betreibt Kabelnetze in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Würtemberg und gehört seit 2009 zu Liberty Global. Nach eigenen Angaben – Stand 30. Dezember 2017 - versorgte Unitymedia 7,2 Millionen Kunden mit 6,4 Millionen TV-, 3,4 Millionen Internet- und 3,2 Millionen Telefonie-Abonnements.

Rechnerisch war damit etwa jeder elfte Deutsche Kunde dieses deutschen Netzbetreibers. Für 2017 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 2,38 Milliarden Euro. Davon entfällt der weitaus größte Teil auf Privatkunden: rund 1 Milliarde Euro für Content-Abos, 619 Millionen für Internetversorgung und 440 Millionen Euro für Telefonversorgung.

Liberty Global wirbt mit dem Claim: „We are the largest international TV and broadband company serving 22 million customers“. Das Unternehmen meldete für 2017 einen Jahresumsatz von 15 Milliarden Dollar; das entsprach am im Dezember 2017 rund 12,5 Milliarden Euro (Jahresbericht S. 10). Zum Vergleich: Vodafone erzielte 2017 einen Jahresumsatz von 47,6 Milliarden Euro (Jahresbericht S. 35).

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