Vivendi: Rückkehr ins Gamesgeschäft

24.02.2016

Vivendi-Chef Vincent Bolloré. CC by Thesupermat

Der französische Medienkonzern Vivendi wollte sich eigentlich auf sein Musik- und Pay-TV-Geschäft konzentrieren und verkaufte seine Anteile am "World of Warcraft"-Entwickler Activision Blizzard 2013 für rund acht Millionen Dollar. Doch angesichts massiven Verlusten in den letzten Monaten hat das Management um Vincent Bolloré eine 180 Grad-Wendung vollzogen. Vergangene Woche initiierte Vivendi eine feindliche Übernahme des französischen Mobile Game-Publisher Gameloft, an dem man bereits 30 Prozent der Anteile kontrolliert. Für den Rest ist Vivendi offenbar gewillt sechs Euro pro Aktie zu bezahlen, was 50 Prozent über dem Wert im Sommer 2015 liegt, als das Unternehmen sich erstmals bei Gameloft einkaufte.

Da Gameloft von den Guillemot-Brüdern kontrolliert wird, die auch den französischen Gamespublisher Ubisoft gegründet haben, wird bereits darüber spekuliert, dass Vivendi auch hier Interesse an einer Übernahme hat (bisher kontrolliert Vivendi 15 Prozent der Anteile an Ubisoft). Die bekannteste Titelreihe von Ubisoft ist "Assassins Creed", das als Filmadaption Ende des Jahres in die Kinos kommen soll. Der Wiedereinstieg in den Games-Sektor ist auch einer allgemein positiven Entwicklung der Videospiel-Industrie geschuldet, die 2015 allein in den USA knapp 24 Milliarden US-Dollar an Umsätzen generierte (durch die Einführung von Virtual Reality-Technologie in diesem Jahr erhoffen sich die Publisher weitere Milliarden an Zuwachs).

Vivendis Sorgenkind, der Pay-TV-Sender Canal+ soll derweil durch ein strategische Allianz aus der Misere geführt werden (Canal+ hat im vierten Jahr in Folge Verluste erwirtschaftet). So befindet sich Vivendi in fortgeschrittenen Gesprächen mit der qatarischen beIN Media Group über Übertragungsrechte seiner diversen französischen Sportsender, die unter anderem auch exklusive Fußballlizenzen halten. Zuvor waren Canal+ und BeIN erbitterte Rivalen auf dem französischen TV-Markt. Doch nachdem immer mehr Franzosen ihr Canal+-Abo kündigen, versucht das Vivendi-Management mit exklusiven Sportinhalten dagegenzuhalten. Die BeIn-Group hatte zuvor auf sich aufmerksam gemacht, als sie vergangenen Jahr das Hollywood-Filmstudio Miramax erworben hatte.

 

 

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