Vivendi: Einkaufstour mit Hindernissen

10.03.2016

"Assassin's Creed"-Cosplay. CC by Tim Bartel

Der französische Musik- und Medienkonzern Vivendi hat Probleme mit dem Umsatz und einer klaren strategischen Ausrichtung. Nominell verzeichnet der Jahresabschluss für 2015 zwar ein Umsatzplus von 6,7 Prozent. Um Währungseffekte und jährliche Zu- und Abgänge bereinigt, sinkt das Umsatzwachstum für 2015 jedoch auf magere 1,4 Prozent. Insgesamt setzte das Unternehmen 2015 rund 10,8 Milliarden Euro um, davon 5,1 Milliarden im Musikgeschäft der zugehörigen Universal Music Group. Auf die zweite große Unternehmenssparte, die Canal+ Gruppe, entfielen rund 5,5 Milliarden Euro (PDF-Link). Der Aufsichtsratsvorsitzende Vincent Bolloré hatte noch 2014 die Strategie vorgegeben: Vivendi werde von einer Holding-Gesellschaft zu einem auf Content konzentrierten Konzern umgebaut.

Ausreichend Kapital ist inzwischen vorhanden. Den letzten Quartalszahlen zufolge (Q4/2015) verfügt das Unternehmen über ein üppiges Geldvermögen von 6,4 Milliarden Dollar, das unter anderem auch aus dem Verkauf von Beteiligungen im Telekommunikationsgeschäft stammt. Rund 870 Millionen Dollar brachte der Verkauf sämtlicher Anteile an der brasilianischen Telefonica.

Der weitaus größere Anteil des Barvermögens von Vivendi kommt jedoch aus dem Verkauf der restlichen Anteile an dem Spieleunternehmen Activision Blizzard. Bis 2013 hielt Vivendi noch 61 Prozent der Anteile an dem kalifornischen Spieleproduzenten. Im gleichen Jahr trennte sich der Konzern von seiner Mehrheit und erlöste 6,2 Milliarden Euro. Die verbleibenden 5,7 Prozent der Unternehmensanteile brachten Vivendi dann im Januar 2016 rund 1,1 Milliarden Euro.

Anfang März investierte der Konzern dann wieder in zusätzliche Anteile an der Telecom Italia. Auch an klassischen Telekommunikationsunternehmen ist Vivendi also weiterhin interessiert. Damit gehören 23,8 Prozent der Aktien nun Vivendi. Ab 25 Prozent wäre der Konzern verpflichtet gewesen, ein Angebot zur vollständigen Überlage vorzulegen. So weit geht das Interesse in diesem Fall nicht.

Die „integrated media and content group“, so die Selbstbezeichnung, will sich also keineswegs auf Pay-TV und das Musikgeschäft beschränken. Denn auch der völlige Ausstieg bei Activision Blizzard war kein vollständiger Abschied vom Games-Geschäft. Im Gegenteil: Seine Beteiligungen an anderen Unternehmen der Spieleindustrie möchte Vivendi weiter ausbauen – auch gegen Widerstände. Jüngstes Beispiel ist Gameloft, der weltweit größte Hersteller von Spielen für Mobilgeräte. Auch der weltweit größte Spielepublisher Ubisoft hat das Interesse von Vivendi geweckt. Im Oktober 2015 stieg Vivendi überraschend bei den beiden französischen Firmen mit je rund 10 Prozent der Anteile ein.

Inzwischen hält Vivendi 14,9 Prozent an Ubisoft und 29,8 Prozent an Gameloft. Diesen Anteil hat Vivendi über die 30 Prozentgrenze gehoben und musste dementsprechend nach französischem Recht ein  ein Übernahmeangebot für Gameloft vorlegen. 6 Euro pro Aktie sind geboten. Es bleibt abzuwarten, wie dieser Übernahmeversuch ausgeht.

Nicht zuletzt wegen der zunehmenden Verschränkung von Film- und Spieletiteln, so beispielsweise Assassin's Creed, könnte sich dieses Investment von Vivendi in Dividende und Content zugleich auszahlen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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