Vivendi: CEO Lévy weg, Konzern-Aufspaltung rückt näher

29.06.2012

Jean Bernard Lévy ist als Chef von Vivendi zurückgetreten. Zuvor kam es zu unterschiedlichen Auffassungen über die strategische Ausrichtung des neuntgrößten Medienkonzerns der Welt. Neuer CEO wird interimsweise der bisherige Chefjurist Jean-Francois Dubos. Lévy war zuletzt vom Kurs des Aufsichtsratsvorsitzenden Jean René Fourtou abgerückt, der eine Ausgliederung der wertvollsten Einzelteile von Vivendi befürwortet. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Entwicklungen zusammengefasst und stellt die beiden Protagonisten des internen Machtkampfes näher vor:

Jean-René Fourtou
Fourtou übernahm im Juli 2002 das Vivendi-Ruder von seinem gescheiterten Vorgänger Messier. Fourtou galt als Vertrauter von Staatspräsident Chirac und vor allem als Sanierer. Vor seiner Berufung hatte er den fast bankrotten Konzern Rhone-Poulenc mit Hoechst zu Aventis zusammengeführt. Dass ein Manager von einem Arzneimittelkonzern eine Radikalkur bei Vivendi Universal einleiten sollte, durfte als Zeichen gelten. Mit dem harten und notwendigen Sanierungskurs aber erfüllte Fourtou die in ihn gesetzten Erwartungen.

Jean-Bernard Lévy
Im Mai 2005 zog sich Fourtou in den Aufsichtsrat zurück. Neuer Vorstandschef wurde die langjährige Nummer zwei im Konzern, Jean-Bernard Lévy. Der 55-Jährige diente zunächst in der öffentlichen Verwaltung unter anderem als Berater des Industrieministers Gérard Longuet. In dieser Position kam er bereits mit der damaligen Compagnie Générale des Eaux in Kontakt, als er dem Versorger eine private Telefonlizenz gewährte und damit den Grundstein für den heute erfolgreichsten Konzernteil legte. Lévy, ein Vater von vier Kindern, gilt als höflich und diskret, aber auch etwas farblos, so ganz anders als sein grellbunter Vorvorgänger. Das vormals enge Verhältnis zu Fourtou – beide arbeiten seit Jahren eng zusammen, unter anderem bei der NBC Universal Fusion – ging nun über die zukünftige Ausrichtung von Vivendi in die Brüche. Lévy sträubte sich zuletzt gegen eine intern diskutierte und von Fourtou sowie der Mehrheit der Aktionäre favorisierten Aufsplittung des Konzerns in seine wertvollen Einzelteile - Activision Blizzard, Canal + und Universal Music.

Zuletzt litt Lévys Autorität unter unglücklichen Entscheidungen und diversen Rechtstreits. Kritiker halten ihm vor, voreilig und überteuert einen 44-prozentigen Anteil an Mobilfunkkonkurrent Vodafone erworben zu haben. Eine von ihm eingefädelte Übernahme der Tonträgersparte von EMI könnte im Zuge einer kartellrechtlichen Überprüfung durch europäische und US-Behörden gestoppt werden. Zudem wurde der Konzern zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von knapp 800 Millionen Euro verurteilt, weil es Unregelmäßigkeiten beim Kauf eines Unternehmensteils von Liberty Media im Jahr 2003 gab.

Mehr dazu:
- Guardian: Vivendi boss Jean-Bernard Levy to step down after disagreement over strategy (28.06.2012)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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