Viacom/CBS: Widersprüchliche Angaben zu Redstones Gesundheitszustand

08.12.2015

Viacom-CEO Phillipe P. Daumann. CC by Joi.

Medienkonzern Viacom hat ein schweres Jahr hinter sich. Der Aktienkurs des Film- und TV-Konzerns ist 2015 um knapp 40 Prozent gefallen und der Umsatz ging um ein Fünftel zurück. Da Viacom besonders viele Jugendsender und Angebote für Millenials im Portfolio hat (unter anderem MTV, Comedy Central, Nickeloden) ist das Unternehmen besonders hart von der anhaltenden Migration jüngerer Zuschauer ins Netz betroffen. Zu allem Überfluss sorgen nun noch Spekulationen über den gesundheitlichen Zustand von Sumner Redstone für Unruhe. Es ist unklar, ob der 92-Jährige, der über seiner Holding National Amusements jeweils 80 Prozent der Anteile an sowohl Viacom als auch CBS hält, noch gesundheitlich in der Lage ist, die strategische Ausrichtung des Viacom/CBS-Konglomerats zu steuern.

Die übrigen Aktionäre, angeführt von Wall Street-Ikone Mario Gabelli, der zehn Prozent an Viacom hält, haben bereits Alarm geschlagen und das Management um Aufklärung gebeten. Private Informationen über den geistigen Zustand von Redstone kamen im Zuge einer Klageschrift ans Licht, die eine Ex-Freundin von Redstone, vor einem US-Gericht einreichte und in dem sie gegen ihren Rauswurf aus einem Apartment klagt. Demzufolge soll der Viacom-Chef nicht mehr in der Lage sein, zuzuhören oder Unterschriften zu leisten. Viacoms CEO Phillipe Dauman (Foto) sah sich deswegen gezwungen ein Gegenstatement abzugeben, das Redstone weiterhin Entschlussfähigkeit bescheinigt. Offenbar soll er nach wie vor in alle relevanten Entscheidungsprozesse mit Dauman und CBS-Boss Leslie Moonves involviert sein.

Redstone hat die Nachfolge im Fall seines Ablebens bereits vor Jahrzehnten geklärt. Die Kontrolle über National Amusenments geht in diesem Fall in die Hände eines siebenköpfigen Gremiums über, dem neben Redstones Tochter Shari und Enkel Tyler Korff auch Daumann sitzt. Die Aktionäre um Gabelli könnten angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen jedoch in Betracht ziehen, einen Wechsel an der Spitze von Viacom durchzusetzen. CBS-Chef Moonves scheint dagegen relativ fest im Sattel zu sitzen: im Wahljahr 2016 wird CBS durch den Verkauf von Werbezeit an Präsidentschaftskandidaten und deren Super PACs vermutlich wieder signifikante Umsatz- und Gewinnwachstum verzeichnen.

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