Viacom: Streaming als Weg aus der Krise?

30.01.2015

Viacom-CEO Dauman (CC Gert7)

Seit Anfang des neuen Jahres herrscht Unruhe beim US-Film- und Fernsehunternehmen Viacom. Sinkende Einschaltquoten, geringere Werbeeinnahmen und sich anbahnende Dispute mit Kabelnetzbetreibern setzen den Konzern unter Zugzwang. Die nun verkündeten Ergebnisse des letzten Geschäftsquartals, das am 31. Dezember endete, konnten die Situation nicht unbedingt entspannen: Der Gesamtumsatz wuchs zwar um fünf Prozent auf 3,3 Milliarden US-Dollar an; der Gewinn schrumpfte jedoch um neun Prozent auf 500 Millionen. Grund dafür sind dramatische Zuschauerrückgänge der Viacom-Sender. Nickelodeon verlor 32 Prozent der Zuschauer aus der jungen Zielgruppe und bei MTV schalteten rund ein Viertel weniger Zuschauer ein.
Das haben auch die Kabelnetzbetreiber wie Dish bemerkt, die die Viacom-Sender aus ihren Kabelangebot entfernen könnten. Deshalb wird bereits darüber spekuliert, ob Viacom wieder mit CBS fusionieren sollte, um eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Dish und Co. zu haben. (beide Unternehmen werden vom 91-jährigen Mogul Sumner Redstone kontrolliert, der Viacom 2006 von CBS abspaltete). Außerdem soll ein Streamingableger des Kindersenders Nickelodeon für eine zusätzliche Einnahmequelle sorgen.

Dish-Disput
Noch ist Dish bis Ende 2015 vertraglich gebunden, die Viacom-Sender in seinem Kabelnetz auszustrahlen und dafür Lizenzgebühren zu zahlen. Diese sind essenziell für die wirtschaftliche Stabilität von Viacom: im vergangenen Quartal erwirtschafte das Unternehmen 1,1 Milliarden US-Dollar im Rahmen der Partnerschaften mit Satelliten- und Kabelanbietern. Deshalb sorgt die Mitte Januar von Analysten Jason Bazinet (Citi Research) getätigte Prognose, dass Dish in Zukunft deutlich weniger für die Viacom-Sender zahlen oder ganz auf sie zu verzichten könnte, an der Börse für Aufregung. Ohne Dishs 14 Millionen Kunden würde Viacom allein jährlich 704 Millionen Dollar verlieren, was zu einem 32-prozentigen Rückgang des Aktienkurse führen könnte. Bazinet hat seine Prognose damit begründet, dass Dish in der Vergangenheit auch in Verhandlungen mit anderen Networks wie etwa dem ebenfalls kriselnden Turner Broadcasting (CNN, Cartoon Network) hart geblieben ist. Kleinere Kabelanbieter hingegen haben keine finanziellen Nachteile erlitten, nachdem sie Viacom-Sender aus ihrem Angebot entfernt haben.

Nickelodeon-Streaminportal
Die Ankündigung, es HBO und CBS gleichzutun, und ab März eine separate Online-Version von Nickelodeon anzubieten, wird bei Dish und anderen Kabelunternehmen nicht zu einer Beilegung des Konflikts beigetragen haben. Kabelkonzerne wie Dish und Comcast sowie einige Experten gehen davon aus, dass die Streamingportale einen Teil wichtigen Kabelgebühren kannibalisieren könnten. Viacom zielt jedoch laut Aussagen von CEO Phillipe Dauman auf die rund zehn Millionen US-Haushalte, die über keinen Kabelvertrag verfügen. Außerdem soll es bis auf weiteres keine Streamingoptionen für die übrigen Viacom-Sender geben (BET, VH1, TV Land, Spike), die weiter ausschließlich im Rahmen von Kabelpaketen angeboten werden.

Kauf von CBS?
Die einfachste Möglichkeit, weiter hohe Lizenzgebühren von den Kabelunternehmen zu generieren, wäre jedoch ein Kauf von CBS, der beide Unternehmen auch formal wieder zu einer Einheit machen würde. Mit dem Kauf würde Viacom über die wertvollen Livesport-Rechte von CBS verfügen und seine Verhandlungsposition gegenüber den Kabelanbietern deutlich verbessern. 2006 waren beide Unternehmen getrennt worden, da Viacom mit seinem Filmgeschäft deutlich mehr shareholder value generierte als das traditionelle CBS-Fernsehgeschäft. Ob Sumner Redstone seiner damalige Ankündigung treu bleibt, die beiden Unternehmen niemals wieder zusammenzuführen, ist angesichts der derzeitigen Umwälzungen in der TV-Branche fraglich.

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