US-Radiokonzerne: Kooperation mit Labels und Internetradios

17.09.2013

Experten gehen davon aus, dass der Internetradio-Werbemarkt auf lange Sicht größer werden wird als der nach wie vor domininierende terrestrische Radiosektor. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, gehen die größten Radioketten der USA zunehmenden Kooperationen mit Onlineradios und Musikstreaming-Diensten ein sowie forcieren Partnerschaften mit der Musikindustrie.
So einigte sich Marktführer Clear Channel Communications, die größte Radiokette der USA, vergangene Woche erstmals mit einem der gropßen "Big Four"-Labels, Warner Music, über die Zahlung von Lizenzgebühren für das Abspielen seiner Songs. Die Nummer Zwei auf dem Radiomarkt, Cumulus Media, gab hingegen gestern eine strategische Partnerschaft mit dem Online Musikportal Rdio bekannt. Die Redaktion von mediadb.eu hat hat die Entwicklungen auf dem US-Radiomarkt zusammengefasst:

1. Wie groß ist der Markt für Webradios im Vergleich zu traditionellen Radiosendern?
Nach wie vor erwirtschaften Onlineradios nur einen Bruchteil der Umsätze von Offlineradios obwohl sich die Anzahl der Hörer in den vergangenen Jahren weiter angenährt hat. In den USA hatten terrestrische, kommerzielle Radiosender 2012 mehr als 241 Millionen Hörer in der Woche. Laut Daten des Radio Advertising Bureau setzten die Stationen 16,5 Milliarden US-Dollar um, was einer leichten Steigerung von 1,3 Prozent entspricht (2011: 16,3 Milliarden).
US-Onlineradios werden dieses Jahr ihre Zuhörerschaft auf insgesamt 147 Millionen ausbauen können. In Sachen Einnahmen und Umsätze hinken Internetradios der terrestrischen Konkurrenz jedoch weiterhin hinterher. 2013 werden die Ausgaben für Werbespots vergleichsweise bescheidende 970 Millionen US-Dollar betragen. (die Tendenz ist allerdings steigend: bis 2016 soll die Ausgaben für Werbung auf 1,3 Milliarden anwachsen). Ein Großteil des gesamten Umsatzes dürfte dabei auf den Marktführer Pandora entfallen. Das nur in den USA, in Australien und Neuseeland empfangbare Internetradio hatte 2012 einen Umsatz von 274 Millionen US-Dollar und verzeichnete im April diesen Jahres erstmals mehr als 200 Millionen regelmäßige Hörer (rund ein Drittel davon nutzt die kostenpflichtige Premiumversion). Nummer Zwei unter den Internetradios ist Spotify mit 24 Millionen Nutzern, von denen ein Viertel für den Dienst zahlt. Die wachsende Popularität von Gratis-Diensten wie Pandora und Co. liegt vor allem in der Benutzerfreundlichkeit und der steigenden Verbreitung von Smartphones. Autofahrer - die wichtigste Zielgruppe für die Radioindustrie - können bei entsprechender Austattung ihres Wagens ihr Smartphone mit ihrem Autoradio verbinden und sämtliche weltweiten Onlinekanäle hören. Der technische Zwang, die lokale Radiostation hören zu müssen, ist damit aufgehoben.

2. Wie reagieren die großen US-Radiosenderketter auf diese Entwicklung?
Im Gegensatz zu Deutschland, wo Künstler und Labels im Rahmen von GEMA-Abkommen Geld erhalten, wenn ihre Songs im Radio gespielt werden, partizipierten diese in den USA bisher nicht an den Gewinnen der Radiokonzerne. Anders im Fall von Webradios, wo Künstler und Labels in einem größeren Ausmaß vom Abspielen ihrer Songs proftitieren. Clear Channels Hörer sind zwar noch zu 98 Prozent offline, werden jedoch in den kommenden Jahren zunehmend online auf die 850 Clear Channel-Sender zugreifen. Deshalb traf das Management 2012 die strategische Entscheidung, dem Country-Label Big Machine erstmals auch Lizenzgebühren für das Offline-Abspielen seiner Songs zu zahlen - im Austausch für geringere Gebühren im Onlineradio. Nun wurde eine ähnliche Kooperation mit Warner Music eingefädelt: Wenn künftig Warner-Songs gespielt werden, zahlt Clear Channel Lizenzgebühren und promotet Warner-Künstler in seinem Programm. Im Gegenzug werden die Gebühren, die Clearchannels Digitalsender an Warner zahlen, signifikant gesenkt (momentan entrichtet Clear Channel im Durchschnitt rund 22 Cent pro 100 Streams an die großen Labels).

Mehr dazu:

New York Times: Clear Channel-Warner Music Deal Rewrites the Rules on Royalties (12.09.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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