US-Medienkonzerne entdecken Hispanics als Zielgruppe

01.10.2012

In den USA leben gegenwärtig mehr als 50 Millionen Hispanics und Latinos, was 16 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Aufgrund von Zuwanderung und erhöhten Geburtenraten wird die Zahl bis 2050 auf rund 140 Millionen ansteigen, was ein Drittel der Bevölkerung ausmachen würde. Es ist also nicht verwunderlich, wenn US-Medienkonzerne momentan verstärkt in ein spanischsprachiges, bzw. an Hispanics ausgerichtetes Programm investieren. Bislang haben es die traditionellen englischsprachigen TV networks nicht geschafft, US-Amerikaner mit lateinamerikanischen Migrationshintergrund für ihr Programm begeistern zu können. Stattdessen vertrauen diese eher auf spanischsprachige Senderketten wie Univision, Telemundo oder künftig Azteca America. Häufig sind Darstellungen von Hispanics im US-Programm von Klischees und Vorurteilen geprägt. Dies soll sich nun ändern. Medienkonzerne gehen zunehmend Kooperationen mit lateinamerikanischen Inhalteproduzenten ein, um ein Programm von Hispanics für Hispanics anzubieten. Die Redaktion von Mediadb.eu hat die wichtigsten Vorhaben zusammengefasst:

Comcast/NBCU
Durch die Übernahme von NBC Universal im Jahr 2010 kontrolliert Comcast nun die zweitgrößte spanischsprachige Senderkette Telemundo. Da rund ein Viertel aller Hispanics mittlerweile ausschließlich Englisch spricht, riefen Comcast und Telemundo nun die Werbeplattform Telemundo Plus ins Leben. Diese ermöglicht je nach lokalen Umkreis, Inhalte und insbesondere Werbespots beliebig in entweder Englisch oder Spanisch auszustrahlen, um die Reichweite zu optimieren. So können beispielsweise die Nachbarschaften in New York, in denen ausschließlich Englisch-affine Hispanics leben gezielt addressiert werden.

Walt Disney
In der ersten Hälfte von 2013 wird Walt Disney gemeinsam mit Univision einen eigenen Nachrichtensender launchen. Die Besonderheit ist das der Sender ausschließlich Programme in englischer Sprache ausstrahlen wird. Die Zielgruppe sind dabei wohl vor allem in die Mehrheitsgesellschaft integrierte zweisprachige US-Bürger. Außerdem soll der Kanal als Bindeglied zwischen Hispanics und anderen Bevölkerungsteilen dienen. Die Berichterstattung wird sich insbesondere auf Nachrichten aus Mexiko und Lateinamerika beschränken. Univision ist die mit Abstand zuschauerstärkste spanischsprachige Senderkette in den USA und strahlt vor allem Telenovelas aus, die vom mexikanischen Medienkonzern Televisa produziert werden.

News Corp.
Im August diesen Jahres ging MundoFox on Air, ein Joint Venture zwischen News Corp. US-Fernsehsparte Fox und dem kolombianischen TV-Konzern RCN. Das rund 50 Millionen US-Dollar teuere Vorhaben soll vor allem jüngere Hispanics ansprechen. Das Programm wird ausschließlich in Spanisch ausgestrahlt. Interessant ist dabei zu beobachten, wie jüngere Hispanics, die in den englischsprachigen Fox-Sendern häufig negativ dargestellt werden, den Sender aufnehmen werden.

Mehr dazu:

New York Times: Networks Struggle to Appeal to Hispanics (05.08.2012)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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