US-Medien und Iran-Konflikt

22.02.2012

Im Gegensatz zur US-Regierung, die im Atomkonflikt mit dem Iran versucht, moderate Töne anzuschlagen und das Regime durch Diplomatie und Sanktionen in die Knie zu zwingen, haben die Nachrichtensender der großen US-Konzerne in den vergangenen Wochen zunehmend martialisch und zynisch über den Konflikt und eine mögliche militärische Eskalation berichtet. Kritiker werfen den US-Mainstream-Medien einseitige und vereinfachende Berichterstattung vor, die die Möglichkeit eines iranischen Angriffs übertreibt und eine kritische Analyse von Ursachen und Wirkungen des globalen Konflikts vernachlässigt. Einige Beobachter vergleichen die Berichterstattung bereits mit der von 2002/2003, als US-Medien vor und während des Irak-Krieges Teil der Propaganda-Maschinerie der Bush-Regierung wurden, anstatt als vierte Gewalt die Lügen der Administration zu hinterfragen. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Berichterstattung zusammengefasst:

1. Worüber berichten US-Medien im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt?
Während es in Internet-Blogs und Fachzeitschriften differenzierte Analysen der Iran-Krise gibt, haben die meisten Mainstream-Medien in den vergangenen Wochen ein eher einseitiges Bild des Konfliktes gezeichnet: In ihrer Nachrichtensendung OutFront (CNN, Time Warner) etwa behauptete Moderatorin Erin Burnett, niemand würde daran glauben, dass Iran sein Nuklearprogramm für friedliche Zwecke einsetzten wird. Außerdem stellte sie mehrfach die Frage in den Raum, ob Iran terroristische Anschläge in den Vereinigten Staaten plane oder mittels Langstreckenraketen angreifen würde, wobei die Beweislage für entsprechende Anzeichen dünn ist. Liz Cheney, Tochter des ehemaligen Vizepräsident und Verantwortlichen für den Irak-Krieg, Dick Cheney, äußerste sich in der Talkshow "This Week" (ABC, Walt Disney) ähnlich: "Eine Atombombe in den Händen des schlimmsten Terrorismus-Sponsors der Welt ist nicht akzeptabel." In den NBC-Nachrichten wurde darüber berichtet, der Iran drohe den USA mit Krieg und würde mit Raketen US-Ziele angreifen. Die New York Times behauptete fälschlicherweise die internationale Atombehörde IAEA würde davon ausgehen, dass Irans Nuklearprogramm militärische Zwecke hätte. In der Washington Post nahm die ultra-konservative Kommentatorin Jennifer Rubin die Terroranschläge auf israelische Diplomaten in Indien, Georgien und Thailand (möglicherweise durch den iranischen Geheimdienst) zum Anlass, einen militärischen Angriff auf Iran zu fordern.

2. Worüber wird nicht oder kaum berichtet?
Verteidigungsminister Leon Panetta hatte jüngst ebenso wie die IAEA erneut betont, dass es keine Anzeichen für eine Entscheidung des iranischen Regimes gibt Nuklearwaffen zu entwickeln. Die Äußerungen von iranischen Offiziellen, die USA oder Verbündete anzugreifen, beziehen sich ausnahmslos auf den Fall, dass der Iran zuerst angegriffen wird. Fast ausnahmlos wird einem Narrativ gefolgt, der den Iran als Agressor in den Mittelpunkt rückt. Im Gegensatz zu den USA, die u.a. 2003 mit Irak einen direkten Nachbarn angegriffen und besetzt haben, hat der Iran jedoch seit Jahrhunderten keinen Angriffskrieg mehr geführt. Seit Monaten treiben die EU und die USA eine diplomatische Kampagne an, mit dem Ziel den Iran international zu isolieren. Die Sanktionen haben in den vergangenen Monaten zu massiver Inflation und einer rapiden Verschlechterung der Lebensbedingung der iranischen Bevölkerung geführt. Seit 2010 wurden vier iranische Nuklearwissenschaftlern Opfer von Terroranschlägen, wobei Presseberichte nahelegen, Amerikas Verbünderter Israel würde dafür verantwortlich sein. Zwar hat Irans Präsident Ahmadinedschad Israel und seinen Verbündeten mehrfach gedroht; sollte der Iran an einem nuklearen Arsenal arbeiten, so würde das laut Theoretikern der Internationalen Beziehungen vermutlich eher zur Verteidigung vor anderen Atommächten wie Israel oder den USA dienen, als damit Angriffe auf Staaten zu initiieren.

Mehr dazu:

Huffington Post: Iran Nuclear Coverage Echoes Iraq War Media Frenzy (17.02.2012)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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