US-Magazine: Vermischung von Werbung und Content

20.02.2012

Im Zuge des wirtschaftlichen Drucks der Digitalisierung verschwimmen die Grenzen zwischen journalistischen Inhalten und Werbung immer weiter. US-Zeitschriftenverlage wie Advance Publications oder Hearst sehen sich in Zeiten von Auflagenrückgangen immer häufiger gezwungen auch als Verkäufer von Produkten aufzutreten, über die sie eigentlich kritisch berichten sollen. Insbesondere die Onlineausgaben von Mode- und Konsumzeitschriften verwandeln sich so zunehmend in Kataloge. Die Redaktion von Mediadb.eu hat diese Entwicklungen der letzten Jahre zusammengefasst:

1. Welchem wirtschaftlichen Druck sehen sich die US-Zeitschriftenverlage ausgesetzt?
Die Mischung aus  Finanz- und damit verbundener Anzeigenkrise sowie die Konkurrenz durch Fachblogs stellen die Magazinhäuser vor enorme Herausforderungen. Kioskverkäufe von Printtiteln gingen im vergangen Jahr insgesamt um neun Prozent zurück. Die 18 Magazintitel von Condé Nast Publications (Advance) verkauften im zweiten Halbjahr 2011 zusammen 10,5 Prozent weniger Exemplare als im Vorjahreszeitraum. Dabei gingen die Verkäufe von Flaggschiff-Titeln wie Vogue oder Vanity Fair sogar um 5,6, bzw. 20,1 Prozent zurück. Bei Konkurrent Hearst sieht es nicht viel besser aus. Hearsts umsatzstärkste Zeitschrift Cosmopolitan verkaufte sich im zweiten Halbjahr 2011 6,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Modeindustrie - traditionell einer der wichtigsten Anzeigenkunden - reduzierte ihre Werbebudgets zwischen 2008 und 2010 von zwei Milliarden auf 1,57 Milliarden US-Dollar.
Im Fall von Mode- und Konsumzeitschriften wandern immer mehr Leser ins Internet ab. Diese besuchen lieber kostenlose Fashionblogs oder E-Commerce-Seiten wie Net-A-Porter, Asos, Gilt oder Nowness anstatt sich Titel wie Vogue oder Elle am Kiosk zu kaufen.

2. Mit welchen Strategien versuchen Hearst und Advance die fehlenden Einnahmen aufzufangen?
Vogue (Condé Nast) ging im vergangen Jahr eine Kooperation mit dem italienischen Online-Modeversandhaus Yoox ein. Mittlerweile können alle Artikel auf der Vogue-Homepage direkt über einen Webshop gekauft werden. Style.com eine Internetseite, die ebenfalls aus dem Hause Condé Nast stammt, ist längst ein Hybrid zwischen Modejournalismus und Onlinekatalog. Der Onlineauftritt der GQ (ebenfalls Condé Nast) bietet alle Modeartikel über die berichtet wird, ebenfalls zum Verkauf an.

Die Printausgabe von Esquire (Hearst) appelliert an die Leser Modeartikel, über die im Heft berichtet wird, bei der kooperierenden Website Cladmen.com zum kaufen. Mit Amazon wurde Anfang 2012 ein umfassendes Abkommen geschlossen: In den elektronischen Ausgaben von Hearsts Mode-, Technik- und Konsumblättern wie Wired, People oder Good Housekeeping werden sämtliche vorgestellte Produkte mit einem entsprechenden Amazon-Kauf-Link versehen. Für jeden Artikel, der nach einem Besuch von einer Magazin-Webseite bei Amazon bestellt wird, erhält Hearst eine Provision. Kritiker befürchten, dass eine unabhängige Berichterstattung so unmöglich wird.

Mehr dazu:

- Adweek: Hearst to Link Digital Editions With Amazon (14.02.12)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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