US-Kabelkonzerne: Blackouts und umstrittene Programmpakete

26.08.2013

Rund 60 Millionen US-Bürger haben momentan einen Vertrag mit einem der großen Kabelanbieter abgeschlossen. Doch die Geschäftspraktiken der Konzerne sorgen zunehmend für Ärger bei den Kabelkunden. Dispute mit Fernsehsendern führen zu wochenlangen Blackouts auf den TV-Schirmen; überteuerte Programmpakete zwingen Konsumenten zum Kauf von Kabelkanälen, die sie gar nicht wollen; und manche Sender (wie das vergangene Woche gelaunchte Al Jazeera America) werden aus politischen Gründen kurzerhand aus dem Angebot entfernt. Parallel dazu werden Online-Streaming-Dienste immer populärer und machen den Kabelkonzernen Marktanteile streitig. Die Redaktion von mediadb.eu hat die aktuellen Probleme des US-Kabelsektors zusammengefasst:

Blackouts
Wenn der Bildschirm bei bestimmten Kabelprogrammen schwarz wird, ist das ein Resultat der regelmäßig stattfindenden Dispute zwischen Inhalteanbietern und Kabelunternehmen bezüglich angemessener Übertragungskosten. In der Vergangenheit etwa stritten Fox und Time Warner Cable, Viacom und DirecTV, oder die National Football League und Cablevision. Der jüngste solcher Dispute - zwischen CBS und Time Warner Cable - ist heute in die vierte Woche gegangen. Rund drei Millionen Time Warner Cable-Kunden in den Ballungsräumen New York, Dallas und Los Angeles können seit dem zweiten August kein CBS (sowie den Schwesterkanal Showtime) mehr empfangen, weil der Kabelkonzern sich weigert, die von CBS geforderte Erhöhung der Übertragungskosten auf mehr als zwei Dollar pro Kunde zu akzeptieren. Die entscheidende Hürde, die einer Einigung im Weg steht, sind jedoch die Digitalrechte der CBS-Inhalte. Time Warner Cable möchte die CBS-Serien seinen Kunden auch online zur Verfügung stellen, offenbar jedoch nicht extra dafür bezahlen. CBS besteht jedoch darauf, schließlich hat der Network in den vergangenen Jahren und Monaten lukrative Deals mit Streaming-Platformen wie Amazon Video und Netflix abgeschlossen.

Dispute zwischen Produzenten und Distributoren wird es auch in Zukunft geben, da die Medien-Regulierungsbehörde FCC kein Mandat hat, sich in solche Verhandlungen einzumischen. Lobbying-Organisationen der Kabelindustrie fordern seit geraumer Zeit ein offizielles Verbot von Blackouts während Verhandlungen. Die TV-Networks lehnen ein solches Verbot jedoch ab, da sie ansonsten ihre Verhandlungsposition erheblich schwächen würden. Erfahrungsgemäß lösen sich die Dispute von selbst, wenn große TV-Events anstehen: Experten gehen davon aus, dass der Streit spätestens vor Beginn der American Football-Saison Anfang September, an der CBS die Übertragungsrechte hält, beigelegt sein wird. Mit Time Warners Konkurrent Verizon konnte CBS in einem ähnlichen Fall bereits Einigung erzielen.

Umstrittene Programmpakete
Geht es nach einer Gesetzesinitiative der Senatoren John McCain und Richard Blumenthal ("Television Consumer Freedom Act") sollen Kabelkunden künftig nur noch für die Sender zahlen, die sich auch wirklich sehen möchten. Bisher leiden Kunden in der Regel unter dem sogenannte forced bundling - die gemeinsam von Inhalteanbietern und Kabelkonzernen bevorzugte Praxis der Bündelung und des Verkauf hunderter Kanäle im Paket. Sollte das Gesetz tatsächlich verabschiedet werden, würde dies nicht weniger als das Ende eines vierzig Jahre existierenden Geschäftsmodell der Kabelkonzerne bedeuten. Schon jetzt haben Streaming-Angebote wie Netflix, Hulu oder Amazon Video dazu geführt, dass Millionen von Kunden ihren Kabelanschluss gekündigt haben. Internet- und Technikkonzerne wie Google, Intel oder Sony planen zudem Angebote, die das Streaming einzelner kompletter Kabelsender (oder -pakete) ermöglichen.
Einzelne Kanäle, wie der gerade gestartete USA-Ableger des arabischen Nachrichtensenders Al Jazeera, werden von manchen Kabelanbietern aus vermutlich politischen Gründen überhaupt nicht übertragen. So warf der Telekommunikationskonzern AT&T Al Jazeera unmittelbar vor Launch am vergangenen Dienstag kurzerhand aus seinem Angebot; Time Warner Cable tat dies bereits vor Monaten, als der Nachrichtensender aus Katar den Kauf von Current TV und die Umbennenung in Al Jazeera verkündete.

 Medienkonzerne vs. Aereo - 14.10.2013 12:45

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