US-Filmstudios und -Kinos: enttäuschende Besucherzahlen

05.09.2011

Der Kino-Sommer 2011 ist für die großen US-Filmstudios und Kinoketten enttäuschend verlaufen. Der Umsatz an den Kinokassen stagnierte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, während die Besucherzahlen im vierten Jahr in Folge sanken. Im Zeitraum zwischen dem ersten Mai-Wochenende und dem Labor Day-Feiertag Anfang September, in dem traditionell 40 Prozent aller Tickets verkauft werden, konnte der Umsatz am Box-Office nur unwesentlich auf 4,38 Milliarden US-Dollar gesteigert werden, was einem Anstieg von weniger als einem Prozent entspricht. Die Anzahl der Kinozuschauer sank jedoch mit 543 Millionen Besuchern auf das geringste Niveau seit 1997. Die Redaktion von mediadb.eu hat diese Entwicklung anhand von drei Fragen analysiert:

1. Warum gehen immer weniger Amerikaner ins Kino?
Die 2008 einsetzende Rezession und ihre andauernden Folgen haben Filmstudios und Kinoketten schwer getroffen. In Zeiten von hoher Arbeitslosigkeit und sinkenden Löhnen können sich viele US-Familien Kinobesuche nicht mehr leisten, insbesondere, wenn Sie stattdessen zu weitaus günstigeren Konditionen eine DVD ausleihen können. US-Bürger, die regelmäßig ins Kino gehen, gehören mittlerweile zu einer Minderheit: zehn Prozent aller Kinozuschauer erwarben 2009 die Hälfte aller verkauften Eintrittskarten. Inzwischen gehen Amerikaner durchschnittlich nur noch sechseinhalb Mal pro Jahr ins Kino. Neben steigenden Ticketpreisen werden viele potenzielle Zuschauer von den hohen Preisen für Snacks und Getränke abgeschreckt: Zwischen 2008 und 2011 stieg der Popcorn-Preis der Kinokette AMC beispielsweise um 48 Prozent. Ein weiterer Grund: Viele der 5750 Kinos in den USA befinden sich in einem verdreckten Zustand. Kinobetreiber haben aufgrund dichter werdenden Intervallen von Vorstellungen zunehmend Schwierigkeiten, die Kinosääle sauber zu halten.

2. Wie reagieren Filmstudios und Kinobetreiber auf sinkende Zuschauerzahlen?
Um den Zuschauer-Rückgang auszugleichen, besteht die Strategie der Kino-Industrie im Wesentlichen darin, die verbliebenen Besucher dazu zu bringen, mehr Geld pro Besuch auszugeben. So berechnen Kinos - sie behalten die Hälfte der Erlöse aus dem Ticketverkauf ein, während Filmstudios die andere Hälfte bekommen - immer höhere Ticketpreise, insbesondere für 3D-Filme. Zumindest in den USA sind jedoch immer weniger Zuschauer bereit, für Filme in 3D mehr zu zahlen. Eine andere Strategie besteht darin, ein Teil der Kinos in Luxustempel umzubauen, die gehobenes Essen inklusive Kellnern und mehr Sitzkomfort anbieten. Zudem bekommen die Sommerblockbuster eine internationalere Ausrichtung. Inzwischen gleichen steigende Ticketverkäufe auf dem europäischen, russischen und asiatischen Markt die Defizite auf dem US-Markt aus. Filme, die in den USA floppen, können sich im Ausland mittlerweile dennoch zu Erfolgen entwickeln. Insbesondere anspruchslose Fortsetzungen von Actionfilmen stoßen in China, Indien oder Russland nach wie vor auf großes Interesse.

3. Wie steht es um die wirtschaftliche Performance der großen US-Filmstudios in diesem Sommer?
Die Nummer Eins in Sachen Einspielergebnissen war eindeutig der letzte Teil der "Harry Potter"-Verfilmung vom Studio Warner Bros. (gehört zum Medienkonzern Time Warner). Der Film spielte 375 Millionen US-Dollar in den USA und mehr als eine Milliarde US-Dollar weltweit ein. Weitere Filme, die die globale Milliarden-Marke knackten, waren "Transformers 3" vom Studio Paramount (Viacom) und "Fluch der Karibik 4" (Walt Disney). Fox (News Corp.) und Sony Pictures erwirtschafteten mit "X-Men: First Class" und "Rise of the Planet of the Apes" bzw. "Die Schlümpfe" ebenfalls hohe Einspielergebnisse. Die größten Flops in diesem Kinosommer sind "Cowboy & Aliens" (gemeinsam produziert von Universal (ComcastNBCU), Dreamworks und Paramount) sowie "Green Lantern" (Warner Bros.).

Mehr dazu:

- BusinessWeek: Hollywood's summer story: more dollars, fewer fans (31.08.2011)
- New York Times: Neither Smurf Nor Wizard Could Save Summer Movie Attendance (04.09.2011)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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