US-Filmstudios in China: Probleme und Potenziale

15.10.2012

China ist auf dem besten Weg, der zweitgrößte Filmmarkt der Welt zu werden. Während die Kinobesucherzahlen in den USA zurückgingen, stiegen sie in China vergangenes Jahr um 35 Prozent. Kein Wunder also, dass Hollywood-Studios seit geraumer Zeit versuchen, ihre Stellung im chinesischen Kinosektor auszuweiten. Doch die Expansionspläne sind mit strukturellen Problemen behaftet. Die Monopolstellung der unter staatlicher Kontrolle befindlichen China Film Group, umfassende Zensurmaßnahmen und weitverbreitete Korruption machen Hollywood das Leben in China schwer. Dennoch bemühen sich die Studios im Dialog mit der chinesischen Regierung um eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Während die US-Filmwirtschaft um einen leichteren Zugang zu den rund 1,4 Milliarden potenziellen Kinozuschauern buhlt, geht es China vor allem darum, von Hollywoods technischem Know-How und Erfahrung zu profitieren. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Entwicklungen zusammengefasst:

1. Welche medienpolitischen Rahmenbedingungen gelten für US-Studios in China?
In den vergangenen Jahren durften pro Jahr nur zwanzig ausländische Produktion in chinesischen Kinos gezeigt werden. Diese Regelung wurde im Februar 2012 gelockert und zukünftig dürfen auch 14 3-D und IMAX-Filme (sowie deren 2-D-Ableger) in die Kinos kommen. Zudem wurde die maximale Beteiligung am Einspielergebnis eines Films von 13,5 - 17,5 auf bis zu 25 Prozent erhöht. Sämtliche Filmunternehmen müssen jedoch unverändert mit einem chinesischen Distributionsunternehmen kooperieren, wie etwa der China Film Group oder Huxia Film, und signifikante Teile der Gewinne an die chinesische Regierung abtreten und Promotion- und Vertriebskosten alleine tragen.
Allerdings können die Studios ihre Umsatz- und Gewinnbeteiligungen durch amerikanisch-chinesische Ko-Produktionen erhöhen, die nicht von dem Quotensystem für ausländische Filme betroffen sind. Vorraussetzung für solche Filme ist, dass mindestens eine Hauptrolle von einem chinesischen Schauspieler gespielt wird, mindestens eine Szene in China spielt und die chinesische Zensurbehörde gegebenenfalls Veränderungen am Endprodukt vornehmen kann. Die erfolgreiche Neuauflage von "Karate Kid" aus dem Jahr 2010 gilt als Vorbild für solche Ko-Produktionen.

2. In welchen Umfang sind die einzelne US-Filmstudios bereits in China aktiv?
Im Mai 2012 wurde verkündet, dass die US-Filmindustrie gemeinsam mit der lokalen Regierung der Region Tianjin für 1,3 Milliarden US-Dollar ein Studiogelände bauen will, um weitere Ko-Produktionen voranzutreiben. Walt Disney arbeitet bereits eng mit dem chinesischen Ministerium für Kultur und der Investmentgruppe Tencent Holdings zusammen, um die Animations-Industry in China weiterzuentwickeln. Eines der größten Filmprojekte von Disney des kommenden Jahres, "Iron Man 3", wird gemeinsam mit der chinesischen Produktionsfirma DMG Entertainment produziert werden. Dreamworks Animations plant gemeinsam mit chinesischen Partnern ein Animationsstudio in Shanghai zu gründen. News Corp. erwarb jüngst einen 20-prozentigen Anteil an der chinesischen Bona Film Group, um am chinesischen Kino-Boom zu partizipieren. Doch auch chinesische Firmen investieren in den US-Filmmarkt: Der Unternehmer Wang Jianlin plant für 2,6 Milliarden US-Dollar bei der US-Kinokette AMC einzusteigen.

3. Welche Rolle spielen Korruption, Piraterie und politische Zensur?
Im April 2012 leitete die US-Finanzaufsichtsbehörde SEC eine formelle Untersuchung der Aktivitäten diverser US-Studios in China ein. Die SEC will im Rahmen des 1970 verabschiedeten Forreign Corrupt Practices Act herausfinden, ob Vertreter der Studios illegale Zahlungen an chinesische Regierungsmitglieder geleistet haben, damit Hollywood-Filme die staatliche Quote umgehen und in die chinesischen Kinos kommen konnten. Doch die Studios kämpfen auch mit Korruption von chinesischer Seite. Unter chinesische Kinobetreibern ist es angeblich weitverbreitet, den Verkauf zu Lasten der US-Studios falsch abzurechnen und Teile der Einspielerlöse in die eigenen Taschen umzuleiten. Exklusive Filmstarts in China sind nicht mehr möglich, da die Filme ansonsten wegen der grassierenden DVD-Piraterie innerhalb weniger Tage auf dem Schwarzmarkt erhältlich sein würden. Schließlich sorgen teils willkürliche Zensurmaßnahmen für Planungsunsicherheit. Teile der kommunistischen Partei planen seit geraumer Zeit, sämtliche US-Filme aus der Primetime des chinesischen Fernsehens zu verbannen. Erst im Januar diesen Jahres äußerte sich Präsident Hu Jin-Tao zu dem Einfluss von Hollywood auf das nationale Bewusstsein: "Wir müssen uns eindeutig eingestehen, dass internationale, feindliche Kräfte zunehmend ihren Plan in die Tat umsetzen, China zu verwestlichen und zu spalten. Ideologische und kulturelle Felder sind die Objekte lang andauernder Infiltrierung."

Mehr dazu:

Neontommy: When Hollywood Meets China: The Film Industry's Relationship Saga Continues (23.05.2012)

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