US-Fernsehen: Spanischsprachige Sender weiter im Aufwind

07.10.2013

Die Anzahl der in den USA lebenden Hispanics hat sich zwischen 2000 und 2011 um fast 50 Prozent auf 51,9 Millionen erhöht, was mittlerweile 17 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. US-Medienkonzerne haben dieser Entwicklung Rechnung getragen und in den vergangenen Jahre ihre Kooperationen mit spanischsprachigen Contentanbietern intensiviert. Um die für werbetreibende Firmen eminent wichtige Zielgruppe der 18-49-jährigen Hispanics konkurrieren mittlerweile vier große TV-Senderketten. In 35 Jahren könnten Hispanics bereits ein Drittel der US-Bevölkerung ausmachen. Ob diese dann weiterhin spanisch sprechen (momentan sind drei Viertel aller US-Amerikaner mit hispanischen Migrationshintergrund der Sprache mächtig) oder wie Einwanderer aus anderen Ländern langfristig ausschließlich Englisch beherrschen, ist jedoch noch nicht abzusehen. Fakt ist jedoch, dass schon heute spanischsprachige Sender teilweise den TV-Markt dominieren. Die Redaktion von mediadb.eu stellt die wichtigsten Networks vor und hat die wachsende Bedeutung von Hispanics auf dem US-Medienmarkt zusammengefasst:

Spanischsprachige Senderketten
Das größte spanischsprachige Network ist weiterhin Univision. Die Senderkette, an der der mexikanische Medienkonzern Televisa fünf Prozent der Anteile hält, wird in diesem Herbst gemeinsam mit dem Senderkette ABC (Walt Disney) den englischsprachigen 24-Stunden Nachrichtenkanal Fusion launchen, der sich an die Zielgruppe der sog. hispanischen "Millenials" (Jahrgänge 1980 bis 2000) richtet, die zweisprachig aufgewachsen sind. Nummer Zwei auf dem spanischsprachigen TV-Markt ist Telemundo, dass von NBCUniversal (Comcast) kontrolliert wird. Vergangenes Jahr rief der Sender die Werbeplattform Telemundo Plus ins Leben. Diese ermöglicht je nach lokalen Umkreis, Inhalte und insbesondere Werbespots beliebig in entweder Englisch oder Spanisch auszustrahlen, um die Reichweite zu optimieren. So können beispielsweise die Nachbarschaften in New York, in denen ausschließlich Englisch-affine Hispanics leben, gezielt addressiert werden. Neuester Akteur auf dem TV-Markt ist Mundo Fox, ein 2012 gestarteter spanischsprachiger Sender, den 21st Century Fox gemeinsam mit dem kolumbianischen Privatsender RCN betreibt. Die Nummer Vier in den USA, Azteca America, wird hingegen vom mexikanischen Medienkonglomerat Grupo Salinas betrieben.

Wachsende Bedeutung von hispanischen Zuschauern

Während die Werbausgaben für englischsprachige Programme 2013 stagniert sind, stiegen sie für spanischsprachige Sender im siebten Quartal in Folge um 13,5 Prozent. Im vergangenen Sommer schaffte es Univision erstmals monatsübergreifend sämtliche der großen vier englischsprachigen Networks in Bezug auf Einschaltquoten zu überholen. Insbesondere in den Metropolen New York und Los Angeles hatte Univision in der Zielgruppe der 18-49-jährigen durschnittlich 400.000 Zuschauer mehr als der Gesamtmarktführer Fox. Dies lag in erster Line daran, dass es im Sommer die Football- und Basketballprofiligen pausieren. Ausgerechnet Fußballübertragungen der Tuniere Confederations Cup und Gold Cup avancierten bei den spanischsprachigen Zuschauern zu Quotenhits. Hinzu kommt, dass Hispanics Social Media-affiner sind als weiße US-Amerikaner (so sind etwa 68 Prozent aller Hispanics bei Twitter aktiv, das gerade dabei ist, zu einem integralen Bestandteil der TV- und Werbeindustrie zu werden).

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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