Update: Hulu-Verkauf vom Tisch

15.07.2013

Seit Monaten stand die US-amerikanische Video-Streaming-Plattform Hulu.com zum Verkauf. Zu den Interessenten zählten unter anderem zwei der aktuellen Besitzer, die Medienkonzerne News Corp. und Walt Disney (der dritte Anteilseigner Comcast hat aufgrund von Auflagen, die im Zusammenhang mit der Anfang 2011 genehmigten Übernahme von NBC Universal stehen, keine Entscheidungsmacht); die Privat Equity Firmen Guggenheim Digital Media und KKR; die Investmentgruppe Chernin Group (mit dem Telekommunikationskonzern AT&T als möglichen Partner); die Kabelkonzerne Time Warner Cable und DirecTV; das Onlineunternehmen Yahoo.

Nun die überraschende Wendung: News Corp., Disney und Comcast haben den Bieterwettstreit für offiziell beendet erklärt und wollen Hulu künftig weiter gemeinsam betreiben. Dies ist das Resultat von Gesprächen zwischen Walt Disney CEO Robert Iger und den News Corp./21st Century Fox-Bossen Rupert Murdoch und Chase Carey, die am Rande der Allen & Company-Konferenz in Sun Valley geführt wurden. Ein Verkauf von Hulu wurde damit bereits zum zweiten Mal kurzfristig gestoppt (2011 hatte es im Gegensatz zu jetzt keine ernsthaften Angebote gegeben). Die Redaktion von mediadb.eu hat die jüngsten Entwicklungen zusammengefasst:

1. Warum nehmen die Besitzer auf einmal Abstand vom Verkauf?
Böse Zungen behaupten, Disney, News Corp. und Comcast hätten niemals ernsthaftes Interesse an einem Verkauf von Hulu gehabt. Stattdessen wollten sie den seit Monaten durch die Wirtschaftspresse geisternden Bieterwettstreit dafür nutzen, den Wert und Ansehen des kriselnden Streaming-Dienstens künstlich in die Höhe zu treiben.
Letztlich war jedoch wohl keines der Angebote, die allesamt in Höhe von etwa einer Milliarde US-Dollar lagen, für die Besitzer attraktiv genug, einem Verkauf zuzustimmen. Offenbar glauben Disney und Co. daran, dass im Markt für legale Streaming-Portale langfristig genug Platz neben den Wettbewerbern Netflix und Amazon Video gibt. Sie sind davon überzeugt, das bisher nicht profitabel operierende Hulu (Umsatz 2012: 700 Millionen US-Dollar) in die schwarzen Zahlen führen zu können.

2. Welche Pläne verfolgen Disney und News Corp. nun mit Hulu?
Dafür, dass Hulu doch noch ein wirtschaftlicher Erfolg wird, soll eine Finanzspritze von 750 Millionen Dollar sorgen. In den kommenden Jahren sollen damit mehr Mitarbeiter eingestellt, in die technische Infrastruktur investiert und vor allem eigener TV-Content produziert werden. Um es mit der Konkurrenz aufzunehmen, ist diese Summe jedoch vergleichsweise gering: Netflix etwa gibt pro Jahr mittlerweile zwei Milliarden für die Herstellung eigener Inhalte aus. Zudem soll der Premium-Zugang zum Portal (Hulu Plus) signifikant ausgebaut werden. Die kostenlose Basis-Version wird es in absehbarer Zeit (gegen den Willen von 21st Century Fox-Chef Carey) zwar auch weiterhin geben. Dennoch sollen Zugangsbarrieren für Hulu-Nutzer errichtet werden, die ausschließlich über einen Internetzugang verfügen und keinen Kabel- oder Satellitenzugang haben. Damit soll die inzwischen weitverbreitete Praxis des sog. chord cutting bekämpft werden - die Kündigung des Kabelvertrags, da die meisten TV-Episoden ohnehin online verfügbar sind. Hulu wird aller Wahrscheinlichkeit in ein TV Everywhere-Portal umgewandelt, das in Zukunft nur noch per Zugangsdaten des Kabelproviders benutzt werden kann. In diesem Zusammenhang könnte es auch zu strategischen Partnerschaften von zwei der Kaufinteressenten - Time Warner Cable und DirecTV -  kommen.

Mehr dazu:

Wall Street Journal: Owners Call Off Hulu Sale (12.07.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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