Ungleiche Bezahlung - Druck auf die BBC wächst

24.07.2017

BBC Broadcasting-Zentrale. Zizzu02 CC BY-SA 3.0

Rund eine Woche nach Veröffentlichung der Gehälter von BBC-ModeratorInnen steht die britische Rundfunkanstalt weiterhin in der Kritik. Der Transparenzbericht, der die Gagen und Honorare der beliebtesten TV-Gesichter offenlegte, hat eine schwelende Debatte sowohl über die Höhe der Verdienste des mit Gebührengeldern finanzierten TV-Personal als auch die haarsträubende Unterschiede in der Bezahlung von Männern und Frauen befeuert. Zentrale Erkenntnis des BBC-Reports war, dass männliche Moderatoren in etwa bis zu fünf mal soviel verdienen wie ihre Kolleginnen.

In einem offenen Brief forderten 42 BBC-Mitarbeiterinnen Generaldirektor Tony Hall auf, die Anstrengungen zu intensivieren, den gender pay gap möglichst schnell zu eliminieren. Hall selber veröffentlichte daraufhin ein Statement, in dem er versicherte, er sei optimistisch, das Problem innerhalb der kommenden drei Jahre zu lösen. Bis dahin sollen auch alle Moderatorenpositionen zu jeweils 50 Prozent formatübergreifend von Männern und Frauen besetzt sein. Warum im Jahr 2017 noch solche deutlichen Unterschiede existieren, zumal bei einer öffentlich-rechtlichen und gebührenfinanzierten Anstalt, konnte Hall nicht erklären, dabei wurde mit dem Equal Pay Act von 1970 und dem Equality Act von 2010 eigentlich eine klare Rechtsgrundlage geschaffen (einer der Gründe für die ungleiche Bezahlung könnte in den signifikant kürzeren On-Air-Karrieren von Moderatorinnen liegen). Neben der BBC-Belegschaft schalteten sich auch Premierministerin Theresa May und Oppositionsführer Jeremy Corbyn in die Debatte ein und forderten die Anstalt auf, die Gehaltsunterschiede zu beseitigen.

Zwei Drittel der Führungspositionen in der BBC-Verwaltung sind von Männern besetzt, die Position des Generaldirektors wurde in der Geschichte der Anstalt noch nie von einer Frau besetzt (in der privaten britischen Medienlandschaft werden im Vergleich dazu zwei Unternehmen, Channel 4 und ITV, mittlerweile von Frauen geleitet). Hierzulande ist über die Gehälter von öffentlich-rechtlichen Sendern so gut wie nichts bekannt. Die ARD teilte Focus auf Nachfrage mit, dass sie ein Rechtsgutachten abwarten wird, das klären soll, wieviel Transparenz ARD und ZDF in Bezug auf Produktionskosten und Gehälter an den Tag legen darf und kann.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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