Trump-naher TV-Konzern Sinclair übernimmt Tribune

08.05.2017

Nachdem die US-Regulierungsbehörde FCC im vergangenen Monat die Regeln für die Übernahme von TV-Stationen lockerte, hat nun eine Konsolidierungswelle begonnen, an deren Ende eine erhebliche Reduzierung des Medienpluralismus in den USA stehen könnte. Wie heute bekannt wurde, wird die noch relative unbekannte Sinclair-Gruppe Konkurrent Tribune Media für 3,9 Milliarden Dollar übernehmen und so seine Anzahl von regionalen TV-Stationen von 173 auf 215 erhöhen (Tribune Media wurde 2014 als TV-Sparte aus dem gleichnamigen Medienkonzern ausgegliedert). Mit einer höheren Anzahl an Regionalsendern verbessert sich Sinclairs Verhandlungsposition gegenüber Kabelkonzernen, die Lizenzgebühren für die Aufnahme der Sender in ihre Programmpakete bezahlen. Weil Sinclair diverse sogenannte Fox-Affiliate-Stationen betreibt (d.h. Fox-Programme regional auf seinen Stationen ausstrahlt), erwägte auch 21st Century Fox ein Angebot für Tribune abzugeben, um Sinclairs wachsenden Einfluss zu dämmen - entschied sich jedoch schließlich dagegen.

Was die Übernahme Tribune so interessant macht, ist jedoch vor allem die politische Ausrichtung von Sinclair. Die Sendergruppe gilt in Bezug auf seine selbst produzierten Nachrichtenshows als konservativ und Republikaner-nah. Die Sinclair-Stationen, die 2016 in 81 Städten auf Sendung waren, halfen Donald Trump erheblich dabei, zum Präsidenten gewählt zu werden. Sein Schwiegersohn Jared Kushner handelte dabei eine Reihe von Exklusiv-Interviews aus, die im Gegenzug für einen bevorzugten Zugang zu Trump gezielt in zuschauerstarken Sinclair-Nachrichtenformaten in den Swing States ausgestrahlt wurden. Der Deal beinhaltete die Zusage, die Statements von Trump ohne journalistische Kommentare oder Einordnungen zu senden. Zudem stellten die Sender Trump insgesamt signifikant mehr Sendezeit zur Verfügung als seiner Konkurrentin Hillary Clinton. Die Familie von David D. Smith, dem Vorsitzenden des Unternehmens, hat in Form von Super PACs in den vergangenen Jahren massiv an die Republikanische Partei und Trump gespendet. Ein ehemaliger Sprecher von President Trump, Boris Epshteyn, hat inzwischen die Fronten gewechselt und ist nun als politischer Analyst für Sinclair tätig.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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