Tribune Publishing vor Aufspaltung?

30.11.2015

Tribune-Zentrale in Chicago. CC by Luke Gordon

Update, 01.12.2015: Tribune Publishing hat offiziell bestritten, sich in Verkaufsverhandlungen mit Apollo Global Investments zu befinden.

Original Artikel:
Kein geringerer als News Corp.-Chef Rupert Murdoch hat mit einem Tweet die Spekulationen über die Zukunft von Tribune Publishing angeheizt. Das drittgrößte Zeitungshaus der USA ("Chicago Tribune", "The Baltimore Sun", "Los Angeles Times") befindet sich in einem schwierigen Umbruch seit es im vergangenen Jahr vom TV- und Onlinekonzern Tribune Media abgespalten wurde. Die Krise von Tribune Publishing befeuert seit geraumer Zeit Gerüchte über mögliche Übernahme und ist symptomatisch für den anhaltenden Niedergang der US-Zeitungsindustrie, die im Zeitraum 2014/15 weitere heftige Einbußen hinnehmen musste.

Murdoch erwähnte in seinem Tweet, er hätte gehört, dass Tribune bald von einer Investmentgruppe gekauft werde, die daraufhin das publizistische Flaggschiff, die "Times" aus L.A., umgehend an den Milliardär Eli Broad abgeben wolle. Broad, der laut Forbes mit einem geschätzten Vermögen von 7,4 Mrd. Dollar 65-reichste Mensch der Welt, bekundete bereits vor wenigen Monaten Interesse an einer Übernahme der "Times", was seinerzeit jedoch vom nach wie vor in Chicago sitzenden Tribune-Management abgelehnt wurde. Bei der von Murdoch genannten Wall Street-Firma handelt es sich offenbar um Apollo Global Management; der Verkaufspreis soll zwischen 650 bis 750 Millionen Dollar liegen. Sollte Apollo das kalifornische Zeitungsgeschäft, die California News Group zu der neben der "Times" noch der "Union-Tribune" aus San Diego gehört, wirklich weiterverkaufen, würde das Unternehmen in zwei Teile gespalten.

Für die Zukunft der kriselnden "Los Angeles Times" wäre der Verkauf an den Philanthropen Broad unter Umständen eine gute Nachricht. Die Belegschaft der Tageszeitung leidet seit Jahren unter der harten Sparpolitik des Tribune-Managements. Erst im Herbst diesen Jahres wurde der neue Herausgeber Austin Beutner nach unterschiedlichen Auffassungen über die Strategie der Zeitung entlassen (angeblich erfuhr er im Radio von seiner Entlassung und musste sich per Facebook von der Belegschaft verabschieden). Beutner hatte eine ambitionierte, langfristig angelegte Lokal-Strategie entwickelt, die die "Times" wieder näher an die Bürger der kalifornischen Metropole binden sollte. Tribune Publishing-Boss Jack Griffin setzte jedoch auf weitere Einsparungen und das kurzfristige Erzielen von Quartalsergebnissen. Laut Insidern der Redaktion ist der Betrieb der Zeitung aufgrund der anhaltenden Personaleinsparungen langfristig kaum noch möglich: Nachdem man 2013 700 Mitarbeiter entließ , werden Ende 2015 weitere 50 Redakteure gehen müssen, unter anderem auch die Bürochefs aus New York und vier weiteren Großstädten.

Was die Apollo-Gruppe mit den restlichen Tribune-Blättern vorhat, ist nicht bekannt. Allerdings könnten auch für die "Baltimore Sun", den "Chicago Tribune" und Co. weitere Einsparungen anstehen, sollte sich kein Milliardär für sie interessieren. Denn die Finanzierung durch das Vermögen von Superreichen scheint für Zeitungen in den USA momentan das aussichtsreichste Geschäftsmodell zu sein: mit der "Washington Post" (Jeff Bezos), dem "Star Tribune" aus Minnesota (Glen Taylor) und dem "Boston Globe" (John Henry) befinden sich momentan drei der angesehensten Tageszeitungen in der Hand von Milliardären.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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