Time Warner: Entlassungen, Einsparungen und Dish-Disput

07.11.2014

Jeffrey Bewkes. Copyright D. Shankbone

Wohl kein anderes Medienunternehmen war in den vergangenen Wochen so oft in den Schlagzeilen wie Time Warner. Insbesondere die Ankündigungen, einen Streaming-Ableger des populären Premium-Kabelkanals HBO zu launchen sowie hunderte Mitarbeiter der Fernsehsparte Turner Broadcasting zu entlassen, sorgen für Aufsehen. Zudem muss das Unternehmen sich weiterhin mit den Nachwehen der gescheiterten Übernahme durch 21st Century Fox auseinandersetzen: CEO Jeffrey Bewkes muss den Aktionären demonstrieren, dass ein weiterhin eigenständiges Time Warner profitabler operiert als in Synergie mit dem Murdoch-Konzern. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2014 übertraf das nun veröffentlichte Konzernergebnis die Erwartungen der Analysten. Damit die Kernsegmente TV und Film jedoch weiterhin profitabel bleiben, sollen in den kommenden Jahren weitere Einsparungen vorgenommen werden. Doch neuer Ärger scheint vorprogrammiert: Satellitenbetreiber Dish Network hat Time Warner-Kanäle offenbar aus Verärgerung über HBOs Onlineversion aus dem Angebot entfernt. Die Redaktion von mediadb.eu hat die aktuelle Lage bei Time Warner zusammengefasst:

Weitere Entlassungen in der Film-Sparte
Warner Bros. musste 2014 einen katastrophalen Kino-Sommer hinnehmen. Aufgrund von Box-Office-Flops wie "Edge of Tomorrow" oder "Blended" rangiert Warner im Ranking der erfolgreichsten Filmstudios in diesem Jahr nur auf dem dritten Rang hinter Fox und Walt Disney. Stetig sinkende DVD- und Blu-Ray-Verkäufe tun ihr übriges dazu. Um 200 Millionen US-Dollar an jährlichen Kosten einzusparen, hat Warner-Chef Kevin Tsujihara angekündigt, 12,5 Prozent der Belegschaft zu entlassen (ca. 1000 Mitarbeiter). Tsujihare betonte jedoch gleichzeitig, nicht an der Qualität der Produktionen sparen zu wollen. Stattdessen sollen Marketingbudgets sowie Posten in der Home Entertainment-Sparte eingespart werden. Allerdings hat Warner Bros. noch eine Trumpfkarte in der Hand, die die Bilanz zum Jahresende aufbessern soll: der dritte und letzte "Hobbit"-Film, der im Dezember in die Kinos kommt.

Disput mit Dish
Vor zwei Wochen schmiss Dish Networks überraschend diverse Turner Broadcasting-Sender aus seinem Satelliten-TV-Angebot, darunter auch Nachrichtenkanal CNN und Cartoon Network. Wer in dieser Woche etwa die CNN-Berichterstattung über die Midterm-Wahlen in den USA verfolgen wollte, dessen Bildschirm blieb schwarz. Als offizieller Grund wurde von Seiten Dish angegeben, dass der seit Jahren kriselnde Nachrichtensender einfach zu geringe Einschaltquoten hätte und zu unattraktiv für Dish-Abonennten wäre. Zudem seien die Übertragungsgebühren, die Time Warner verlange, zu hoch. Offenbar reagierte Dish jedoch Gerüchten zufolge mit dem Blackout auf die Time Warners Entscheidung HBO auch über das Internet Usern verfügbar zu machen, die keinen Kabel- oder Satellitenvertrag abgeschlossen haben. Dish fürchtet nun, Kunden zu verlieren, da HBO bislang einer der Hauptgründe war, überhaupt einen kostspieliegen Satellitenvertrag abzuschließen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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