Themenparks: Medienkonzerne geben Milliarden aus

05.10.2015

Sie gelten als Stimmungsbarometer für die Weltwirtschaft: Themenparks boomen in Zeiten des Aufschwungs gelten jedoch als anfällig für Rezessionen. Doch momentan ist die Lage rosig und die Parks von Disney und Universal platzen aus allen Nähten. Der Hype um die auf Hollywood-Filmen und Cartoon-Charakteren beruhenden Attraktionen hat jedoch noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht. Neue Player, insbesondere Rupert Murdochs 21st Century Fox, drängen auf den internationalen Markt, dessen Mittelpunkt sich in den kommenden Dekaden von Nordamerika nach Asien verschieben wird.

Noch dominiert jedoch der US-Markt, wo sich die Universal Studios (Comcast) und Disney einen harten Konkurrenzkampf liefern. Disney World, bzw. Disneyland, mit denen der Konzern jährlich mehr als 15 Milliarden US-Dollar einnimmt, verzeichnete in den letzten drei Jahren jeweils Besucherrekorde; insbesondere an Wochenenden und Feiertagen operieren diese Parks am Limit, was stundelange Warteschlangen für die Besucher bedeutet. Der Ausbau der Disney-Parks um zusätzliche "Cars", "Avatar" und "Frozen"-Welten hat die Fläche der Parks zwar vergrößert die Nachfrage jedoch weiter ansteigen lassen.

Seit einer "Harry Potter"-Expansion der Universal Studios hat sich Betreiber Comcast zum ärgsten Konkurrenten entwickelt und Milliarden in seine Parks in Kalifornien und Florida investiert. Zudem besitzen ausgerechnet die Universal Studios die Lizenzrechte für Fahrattraktionen mit Charakteren von Disneys Marvel Comics, die zusätzliche Besucher anziehen. Disney wird Ende des Jahres reagieren und die Parks um "Star Wars"-Areale erweitern, die pünktlich zum Start von "The Force Awakens" gelauncht werden (der nächste Teil der Weltraum-Saga, der Analysten zufolge weltweit zwei Milliarden US-Dollar einspielen wird, gilt als zentraler Eckpfeiler der gesamten Disney-Strategie für die kommenden Jahre).

Doch Asien, mit seiner wachsenden Mittelschicht, wird die USA in Bezug auf Besucherzahlen und Einnahmen in den kommenden Jahren überholen. Allein in China gibt es mittlerweile rund 850 Parks; bis zum Jahr 2020 werden die Parkumsätze auf 4,8 Mrd. Dollar anwachsen. Zu den größten Themenparks in Asien zählen u.a. Disneyland (Hong Kong), Disney Resort (Tokyo) und Universal Studios Singapur. Disney wird im kommenden Jahr für 5,5 Mrd. US-Dollar einen weiteren Park in Shanghai eröffnen, während Comcast jüngst für 1,5 Mrd. Dollar einen Mehrheitsanteil an den Universal Studios Japan in Osaka erworben hat (seit der gescheiterten Übernahme von Time Warner Cable hat das ausländische Park-Segment für Comcast neue Bedeutung erlangt; weitere Parks sind für Peking und Moskau in der Planung). 21st Century Fox wird in Kürze ebenfalls den Markteintritt in Asien wagen. 2016 wird in Kuala Lumpur die erste "20th Century Fox World" eröffnen. Fox-Chef Rupert Murdoch traf sich vergangenen Monat zudem mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, um unter anderem über einen chinesischen Park sowie dier Eröffnung von 50 "Simpsons"-Merchandising Geschäften zu reden.

In den USA werden die Parks derweil nicht nur immer voller sondern locken zunehmend ein exklusiveres Publikum an. Die Zeiten, in denen Disneyland ein beliebtes Reiseziel für die US-Mittelschicht war, sind vorbei. Die Preise sind in den letzten Jahrzehnte schneller als die Inflation gestiegen. Die Medienkonzerne haben dabei aber nicht bewusst die Mittelklasse aus den Parks gedrängt. Stattdessen haben sich Disney und Universal in Zeiten wachsender sozialer Ungleichheit einfach nur an der Oberschicht orientiert, die seit 1980 ihr Vermögen auf Kosten des Rest der Bevölkerung verfielfachen konnte.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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