Sony in der Krise: Revival durch Medien-Abspaltung?

05.06.2013

Seit Wochen kursiert das Gerücht, dass der japanische Medien- und Elektronikkonzern Sony seine Musik- und Filmsparte verkaufen und als eigenständige Einheit aus dem Unternehmen ausgliedern könnte. Hintergrund ist ein von Investor Dan Loeb verfasster Brief an Sonys CEO Kazuo Hirai (Foto), in dem Loeb fordert die Mediensparte teilweise zu verkaufen um mit den Erlösen das angeschlagenene Techniksegment wieder zu alter Blüte zu führen. In den vergangenen zehn Jahren hat Sony im Elektroniksektor mehr als acht Milliarden US-Dollar Verluste gemacht. Im Gegenzug konnten im Film- (Sony Pictures, Columbia Pictures) und Musikgeschäft (Sony Music/EMI) Gewinne in Höhe von sieben Milliarden US-Dollar erzielt werden. Die Redaktion von mediadb.eu hat die aktuelle Lage bei Sony zusammengefasst und die Motive von Star-Investor Loeb näher beleuchtet.

1. Wie ist derzeit die wirtschaftliche Lage bei Sony?
Die letzten zehn Jahre von Sony gelten in der Wirtschaftspresse als die "Dekade der Milliarden-Verluste": Sony-Aktionäre haben seit 2000 rund 100 Milliarden US-Dollar verloren. Schuld darin ist die Elektroniksparte, die als Achillesverse des Unternehmens gilt und die in diesem Zeitraum keinen einzigen Cent Gewinn in die Kassen gespült hat. Stattdessen sind das Versicherungsgeschäft sowie die Mediensparte die einzigen beiden Säulen, die Gewinne erwirtschaftet haben. Der Hersteller des berühmten Walkmans konnte seine Erfolge in den 1970er und 1980er Jahren - sieht man von der Einführung der Playstation ab - nicht ins digitale Zeitalter übertragen. Apple dominiert heute den Markt für Musikplayer und Smartphones. Südkoreanische Firmen wie Samsung oder LG haben das japanische Unternehmen in Bezug auf Fernsehgeräte längst überholt. Neben Managementfehlern hat in jüngster Zeit eine höhere Gewalt dafür gesorgt, dass Sony weiter zurückgeworfen wurde: Die Erdbeben/Tsunami-Katastrophe im Jahr 2011 ließ japanische Fabriken stillstehen. Nur aufgrund eines schwachen Yens und dem Erfolg von Sony-Produktionen wie "Skyfall" oder "Spider-Man" konnten im vergangenen Quartal erstmals wieder insgesamt schwarze Zahlen geschrieben werden.

2. Welchen Nutzen hätte die teilweise Ausgliederung der Mediensparte?
Würden, wie es Loebs Plan vorsieht, rund 20 Prozent des Film-  und Musikgeschäft ausgegliedert und als eigenständiges Unternehmen neu an die Börse gebracht, könnte Sony mit dem Kapital Schulden abbauen und an Liquidität für seine Elektroniksparte gewinnen. Diese könnte sich auf die vielversprechende Produktionen wie das Smartphone Xperia, internet-fähige Fernseher oder die angekündigte Playstation 4 konzentrieren. Vor allem würde die Maßnahme jedoch Großaktionären wie Loeb zugute kommen. Zwar würde es sich nicht um eine feindliche Übernahme handeln, doch einige Experten warnen bereits vor der kurzfristig angelegten Strategie von Loeb. So hat Amir Anvarzadeh von BGC Parnters bereits geäußert, dass es Loeb nur um "schnelles Geld" geht und er kein Interesse an einem langfristig florierenden Sony-Konzern hätte.
CEO Hirai betonte zuletzt das Elektronik tief in Sony's DNA verankert sei und er keine Absichten hätte, das Medien- vom Technikgeschäft trennen zu wollen. Er beruft sich damit auf die Tradition von Sony-Mitbegründer Akio Morita, der die Mediensparte in den 1980er mitaufbaute, um mittels Medieninhalten den Verkauf von Untenhaltunselektronik zu fördern.

3. Wer ist Daniel Loeb?
Als Gründer des Hedge-Funds Third Point LLC ist Dan Loeb mittels diverser Investionen zum Multi-Milliardär avanciert. Unter anderem ist er gegenwärtig bei der US-Firma Herbalife involviert sowie bei Yahoo, wo er den Abgang des Gründers Jerry Yang forcierte und Marissa Mayer von Google installierte. Loeb hält gegenwärtig 6,3 Prozent der Aktien von Sony, die zusammengenommen 1,2 Milliarden US-Dollar wert sind. Er gilt als sogenannter "Activist"-Investor, der versucht, mittels Briefen an die Unternehmensführung aktiv in die Unternehmensstrategie einzugreifen. Kritiker werfen ihm vor dabei vor allem persönliche Interessen zu verfolgen. Sie behaupten, Loeb verfolgen eine sog. "pump and dump"-Strategie: die Attraktivität eines Unternehmens durch teure Zukäufe und spektakuläre Personalentscheidungen kurzfristig zu erhöhen um dann schnell gewinnbringend Anteile zu verkaufen. So soll es vor allem Loeb gewesen sein, der hinter Yahoo's jüngsten Übernahme von tumblr stecken soll. Experten wie Michael Wolff behaupten, Loeb würde damit einem strukturell bereits toten Unternehmen wie Yahoo kurzfristig aufblähen, um seine Anteile zu einem hohen Preis abzustoßen.

Mehr dazu:

Bloomberg: Sony’s $100 Billion Lost Decade Supports Loeb Breakup (16.05.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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