„So geil und so viel besser“: Champions League auf Amazon Prime

26.10.2020

Interessant das aktuelle US-Engagement auf ureigenem deutschen/europäischen Terrain, wenn man so will. Neben DAZN, dem „Netflix des Sports“ und upcoming britischen Sport-Streamingdienst des US-Multimilliardärs Sir Leonard „Len“ Blavatnik (übrigens auch Eigentümer der Warner Music Group, einem der drei weltgrößten Major-Labels) ist es niemand Geringeres als der Überkonzern Amazon, der sich im Sport- und v.a. Fußballrechte-Markt einmischt. Beide streamen von der Saison 2021/2022 an die Champions League, Amazon über seine Prime-Plattform die Dienstag-Spiele, DAZN die Spiele am Mittwoch (und das ZDF ganz old school linear die Zusammenfassungen). Der für Bundesliga- und hochwertigen internationalen Klubfussball eigentlich zuständige Bezahlsender Sky zog den Kürzeren. Amazon-Deutschlandchef Ralf Kleber: „Der Mix aus Prime am Dienstag, DAZN am Mittwoch und ZDF im Free TV“ sei „so geil und so viel besser“ als das teure Angebot von Sky. Dazu der Tagesspiegel: „Internet frisst Fernsehen“.

Beim premium product der Bundesliga ist Amazon übrigens nicht zum Zug gekommen, hier sicherten sich Sky und DAZN bei den Verhandlungen für die Saisons 2021/22 bis 2024/25 die wichtigsten Live-Rechtepakete. Sky die Rechte für den Samstag-Spieltag, also alle Livespiele um 15.30 Uhr, das Abendspiel um 18.30 Uhr und die sogenannte Konferenz; DAZN die Rechte für die Freitags- und Sonntagsspiele. Zwar ist es Experten ein Rätsel, warum Amazon nicht zugeschlagen hat. Gleichzeitig weiß man, dass es für die US-Manager immer zuallererst darum geht, die Prime-Mitgliedschaft für Kunden attraktiv zu machen, wie z.B. jetzt einmal mit der Champions League am Dienstag. Vielleicht versucht man es beim nächsten Mal auch mit der Bundesliga, oder man lässt den Fußball einfach wieder weg. Wenn man sieht, dass es sich nicht rechnet.

Die Einschaltquoten im Corona-Herbst jedenfalls fallen, wie man jetzt lesen kann. Bei der „Sportschau“, beim „Aktuellen Sportstudio“. Warum? Wegen der Geisterspiele vielleicht, wegen der verschiedenen Abos, die Hardcore-Fans jetzt brauchen? Wegen der langweiligen Bundesliga? Vielleicht war auch das der Grund, warum Amazon die anderen hat machen lassen (für 4,4 Milliarden Euro für die vier Spielzeiten bis 2025). Die Bundesliga mit Rekord- und Dauermeister Bayern München wird unter Marketinggesichtspunkten zunehmend zu einem minderwertigen Produkt.

Noch ein Gedankenexperiment: Was, wenn Brian Roberts, CEO von Comcast (weltweit drittgrößter Medienkonzern), seiner Tochterfirma Sky Deutschland im Corona-Frühjahr 2020 untersagt hätte, die vierte Rate über rund 225 Millionen Euro für Fußball-Geisterspiele zu überweisen? Hätten Top-Medienmanager im fernen Philadelphia dann den deutschen Profifußball beerdigt? Stattdessen aber stand in der SportBILD vom 16.4.2020: „Sky [also Comcast] rettet die deutsche Bundesliga.“

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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