Shari Redstone: Amerikas mächtigste Medienfrau

15.02.2016

National Amüsements-Kino in New York. CC by Luigi Novi.

Nach dem gesundheitlich bedingten Ausscheiden von Sumner Redstone an der Spitze von sowohl CBS als auch Viacom ist seine Tochter Shari Redstone zur wohl einflussreichsten weiblichen Figur in der Medienkonzernwelt aufgestiegen. Shari Redstone hält, gemeinsam mit ihrem Sohn, 20 Prozent der Anteile an der National Amusements Holding unter derem Dach CBS und Viacom organisiert sind. Obwohl sie davon abgesehen hat, in das operative Geschäft bei einem der beiden Unternehmen einzusteigen, wird sie die Zukunft von CBS und Viacom durch Personalmaßnahmen und strategische Grundsatzentscheidungen erheblich beeinflussen.

Dass es dabei zu Konflikten mit dem Topmanagement zumindest beim kriselnden Viacom-Konzern kommen wird, ist absehbar. Im Gegensatz zur CBS-CEO Leslie Moonves, der Sumner Redstone an der Spitze des Aufsichtsrat ersetzt hat, stimmte sie als einzige Person gegen die analoge Beförderung von Viacom-Chef Philippe Dauman. Shari Redstone ist davon überzeugt, dass Viacom einen neuen, unabhängigen CEO benötigt, um seine akuten wirtschaftlichen Probleme zu meistern. Der Aktienpreis des Unternehmens ist im vergangenen Jahr um 45 Prozent gefallen, was keinem anderern S&P500-Konzern gelang. Viacom hat insbesondere mit der schlechten Performance seiner TV-Sender zu kämpfen, die in Netflix-Zeiten deutlich an insbesondere jüngeren Zuschauern verloren haben. Dauman gilt angesichts der bescheidenen Resultate zudem als grotesk überbezahlt; als Mitglied des Fonds von Sumner Redstone zweifelt Shari Redstone an seiner Unabhängigkeit und Bereitschaft mittels unpopulärer Maßnahmen einen Umschwung einzuleiten. CBS-Boss Moonves hingegen muss sich keine Sorgen machen, bei Shari Redstone in Ungnade zu fallen. CBS war in den vergangenen Jahren der zuschauerstärkste TV-Sender in den USA und konnte entsprechend hohe Werbeerlöse erzielen.

Shari Redstone ist indes in vielerlei Hinsicht die Antithese zu ihren männlichen Kollegen in der Medienindustrie. Anstelle von Manhattan bevorzugt die Milliardärin die Bostoner Vorstadt. Wenn sie Football-Spiele der New England Patriots besucht, guckt sie das Spiel lieber alleine draußen als gemeinsam mit Prominenten in der VIP-Box. Und während viele der Medienkonzernelite sich gern auch roten Teppichen präsentieren, war Redstone noch nie bei einer Oscar- oder Golden Globe-Verleihung. Stattdessen zieht sie lieber im Hintergrund die Fäden, wie etwa bei der Expansion der National Amusement-Kinokette. Das Investment der von ihr geleiteten Venture Capital-Firma Advancit Capital in die Onlinevideofirma Maker Studios konnte sie beispielsweise verzehnfachen. Zudem war sie die entscheidende Person im Hintergrund, als ihr Vater zum Jahrtausendwechsel für 40 Milliarden Dollar CBS übernahm - ein Investment, dass sich bereits deutlich wieder ausgezahlt hat.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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