Schwacher Hollywood-Sommer: US-Kinoketten mit Umsatzeinbußen

29.10.2014

US-Filmstudios verzeichneten im vergangenen Kino-Sommer einen 15-prozentigen Umsatzrückgang. Der Umfang der Kartenverkäufe betrug in der Zeit von Mai bis Anfang September 4,06 Milliarden US-Dollar, was das schwächste Ergebnis seit acht Jahren bedeutet. Inflationsbereinigt handelt es sich sogar um den zuschauerschwächsten Sommer seit 1997. Von einer Krise zu sprechen, wäre jedoch vorschnell: zum einen gab es nach wie vor eine Reihe Event-Filme, die den Studios hunderte von Millionen Dollar beschert haben zum anderen, handelt es sich um einen Rückgang im Vergleich zum relativ starken Kinosommer 2013 der ein Umsatzplus von 500 Millionen Dollar verbuchen konnten. Dennoch leiden insbesondere die großen Kinoketten unter Zuschauerrückgängen in der wichtigsten Kino-Jahreszeit. Der Marktführer, die Regal Entertainment Group, denkt nun bereits über einen Verkauf nach. Doch Hollywood hat mit den jüngsten Ankündigungen über neue Blockbuster-Projekte für die kommenden Jahre Hoffnungen geweckt, dass leere Kinosääle künftig wieder der Vergangenheit angehören könnten.

US-Kinosommer 2014
Mit Walt Disneys "Guardians of the Galaxy", dem erfolgreichsten Film des Sommers, schaffte es nur eine Produktion die Schallmauer von 300 Millionen US-Dollar zu durchbrechen. Auf Platz zwei folgen Paramounts "Transformers: Age of Extinction" gefolgt vom Überraschungshit "Maleficent" (Disney). Gleichzeitig gab es jedoch eine Reihe von Flops. Deutlich hinter den Erwartungen blieben insbesondere "The Expendables 3", der 90 Millionen an Produktions- und Marketingkosten verschlang, jedoch nur 30 Millionen US-Dollar einspielte, sowie "Edge of Tomorrow" (Warner), der mit einem Einspielergebnis von rund 100 Millionen Dollar enttäuschte. Größter Flop war jedoch "Sin City: A Dame to Kill For" von der Weinstein Company, der nur 12 Millionen bei einem 60-Millionen-Budget einspielte.

Folgen für die Kinoketten
Unter Zuschauerrückgängen leiden Kinobetreiber unmittelbarer als die großen Filmstudios (die weniger Ticketverkäufe in den USA in den letzten Jahren durch steigende Auslandseinnahmen, insbesondere in Asien ausgleichen konnten). Besonders hart für die Kinoketten sind die gleichbleibenden Fixkosten unabhängig davon wieviel Sitze freibleiben. Wie das Wall Street Journal berichtet, gingen bei Marktführer Regal die Gewinne im Sommer um 64 Prozent auf rund 27 Millionen Dollar zurück; bei der Nummer Zwei, AMC Entertainment, sogar um 78 Prozent auf 7.4 Millionen. Die Multiplexe gerieten zudem in die Schlagzeilen, als sie erklärten, den Einstieg von Netflix in die Film- und Kinoproduktion zu boykottieren. Netflix will in den kommenden Jahren eigenproduzierte Filme gleichzeitig online sowie in ausgewählten IMAX-Kinos veröffentlichen. Diese Pläne bedrohen in Zeiten von günstig erhältlichen Beamern, weitverbreiteter Internetpiraterie und nutzerfreundlichen, legalen VoD-Diensten das verbliebene Alleinstellungsmerkmal der Kinoindustrie: das exklusive Zeitfenster der Erstausstrahlung.

Hollywoods Antwort
Die Strategie, mit der Hollywood wieder mehr Amerikaner in die Kinos locken will, lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Comicverfilmungen. Walt Disney (Marvel) und Warner (DC Comics) haben jüngst insgesamt angekündigt in den kommenden vier Jahren insgesamt 18 Superhelden-Blockbuster in die Kinos zu bringen. Von Filmen wie "Superman/Batman", "Wonder Woman" oder den "Avengers"-Sequeln versprechen sich die Studiobosse künftig steigende Kartenverkäufe. Hinzu kommt eine neue "Star Wars"-Trilogie, von der Analysten ausgehen, dass sie Hollywood und den Kinobetreibern in den kommenden Jahren signifikante Zuwächse bescheren werden.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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