Reuters TV und Co.: Medienkonzerne setzen auf Mobile News Apps

06.02.2015

Mit Reuters TV, einem "radikal neuen Art und Weise" des News-Streaming möchte Medienkonzern Thomson Reuters den wachsenden Markt für Nachrichten-Video-Apps erobern. Die nun zunächst in den USA und Großbritannien gelaunchte App - laut Unternehmensangaben eine Art "Netflix für Nachrichten"- ist exklusiv für das iPhone erhältlich und soll 1,99 US-Dollar im Monat kosten sowie zusätzlich durch Werbung finanziert werden. Dafür bekommen User laufend aktualisierte und personalisierte, auf Grundlage von Algorhitmen zusammengestellten Videofeeds die zwischen fünf und 30 Minuten dauern. Auch Live-Übertragungen der rund 2,500 Journalisten aus 160 Ländern sind Teil der Mobile-News-Offensive. Mit der Anwendung möchte Reuters insbesondere eine mobile und global engagierte Zielgruppe der 30- und 40-jährigen ansprechen, die keine Zeit mehr haben, um Fernsehnachrichten zu gucken. Doch ob sich ausreichend zahlende Nutzer finden lassen, ist angesichts des großen und teilweise kostenfreien Angeboten der Konkurrenz fraglich. NBC (Breaking News App), CBS (CBSN digital news initiative), News Corp. (Storyful) und Yahoo (Yahoo News Digest) sowie BBC, Sky News, CNN, Bloomberg und CNBC haben bereits vergleichbare Nachrichten-Apps gelauncht.

Einer Studie des Telekommunikationsunternehmen Cisco zufolge wird der gesamte Anteil, den Videoinhalte am mobilen Traffic haben, sich in den nächsten fünf Jahren auf 72 Prozent verdreizehnfachen. Bereits 2012 gaben einer Studie des Pew Research Center zufolge 62 Prozent der Smartphone-Besitzer an, ihre Geräte regelmäßig für Nachrichtenkonsum zu benutzen. Dank der Verbreitung von Smartphones konsumieren Leute mehr Nachrichten als je zuvor. Wie wichtig News-Inhalte für die Mobilstrategie von Medienkonzernen sind, zeigt sich auch in Bezug auf Werbung. Nachrichten-Content ist für die Platzierung von Werbebotschaften wesentlich effektiver als in anderen Kontexten, wie etwa E-Commerce.

Auf der anderen Seite stellt das Smartphone-Display für Nachrichtenorganisationen auch eine große Herausforderung dar. Kleinste Grafische Interface- und Funktionsdetails entscheiden häufig darüber, ob die jeweilige App angenommen wird oder nicht. Zudem konkurrieren die Angebote etablierte News-Anbieter mit den zahlreichen personalisierten News-Feeds sozialer Netzwerke wie Snapchat, Instagram oder Facebook. Über Facebook-Links stillen schon jetzt ein Drittel aller Amerikaner ihren News-Hunger. Ob Pay-Wall-Angebote wie Reuters TV auf lange Sicht neben Facebooks News Feed mit seinen weltweit 1.3 Milliarden Nutzern bestehen kann, bleibt abzuwarten.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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