Ranking 2009: Walt Disney neuer Spitzenreiter

17.05.2010

Das Ranking der 50 größten Medienkonzerne der Welt hat einen neuen Spitzenreiter: Der US-amerikanische Unterhaltungskonzern Walt Disney hat den langjährigen Marktführer Time Warner im vergangenen Jahr vom ersten Platz verdrängt. Zu diesem Ergebnis kommt das vom Institut für Medien- und Kommunikationspolitik erstellte Ranking, das die Umsatzstärke der weltweit führenden Medienkonzerne abbildet. Präsentiert werden die Ergebnisse in der Online-Datenbank des Instituts auf dieser Seite.

Time Warner hat seinen Spitzenplatz im Zuge einer grundlegenden Umstrukturierung des Konzerns verloren. Das Unternehmen trennte sich im Geschäftsjahr 2009 von seiner Kabelnetzsparte und zog mit der Ausgliederung der Internettochter AOL einen Schlussstrich unter die erfolglose Fusion. Der Time-Warner-Umsatz schrumpfte daher um gut ein Drittel auf umgerechnet 18,49 Milliarden Euro, 2008 hatte er noch bei 31,95 Milliarden Euro gelegen.

Ein wichtiger Konkurrent geht indes den umgekehrten Weg: Der US-amerikanische Kabelkonzern Comcast kündigte im Dezember 2009 die Übernahme der Mehrheit am Medienkonzern NBC Universal an. Durch das Milliarden-Geschäft wird ein neuer Mediengigant entstehen, der Infrastruktur, Vertrieb und Inhalte unter einem großen Dach vereinen wird – sofern die US-amerikanischen Behörden dem Vorhaben zustimmen. In einer gemeinsamen Erklärung beanspruchten Comcast und NBC Universal umgehend eine führende Rolle „in der nächsten Phase der Evolution der Medien-Industrie“.

Aber auch ohne diesen Deal hat es Comcast schon fast an die Spitze der Rangliste der Top 50 geschafft. Der Kabelkonzern lieferte sich im vergangenen Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Walt Disney – und liegt in der Jahreswertung nur knapp hinter dem kalifornischen Konzern, der bislang Platz zwei in der Rangliste belegte. Mit einem Umsatz von umgerechnet 25,92 Milliarden Euro (2008: 25,73 Mrd. Euro) ist Walt Disney neuer Spitzenreiter. Nahezu gleichauf liegt Comcast mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 25,64 Milliarden Euro auf Rang zwei. Comcast steigerte seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um umgerechnet 2,34 Milliarden Euro – und ist damit der Aufsteiger des Jahres.

In der Rangliste des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik folgen Rupert Murdochs News Corp. (2009: 21,81 Mrd. Euro/2008: 22,4 Mrd. Euro) auf Rang drei, der US-amerikanische Medienkonzern Viacom/CBS auf Platz vier (2009: 19,09 Mrd. Euro/2008: 19,4 Mrd. Euro) und der ehemalige Marktführer Time Warner auf dem fünften Rang.

Der Gesamtumsatz der 50 größten Medienkonzerne der Welt ist im Geschäftsjahr 2009 um rund zehn Milliarden Euro geschrumpft. Sie setzten zusammen 349,27 Milliarden Euro um, nachdem der Gesamtumsatz der Medienhäuser im Vorjahr bei 361,97 Milliarden Euro gelegen hatte. Verantwortlich dafür ist vor allem der Umbau von Time Warner. Zahlreiche Medienkonzerne hatten zudem infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise mit dem schwachen Werbemarkt zu kämpfen.

Einer der größten Verlierer war dabei der spanische Medienkonzern Prisa, dessen Umsatz binnen eines Jahres um 792 Millionen Euro schrumpfte. Der Geschäftsbericht zeigt: Die Werbeumsätze der Mediengruppe Prisa („El País“, etc.) gingen 2009 um fast 16 Prozent zurück. Das Unternehmen konnte dieses Minus auch in den anderen Geschäftsfeldern nicht kompensieren, so dass der Marktführer auf dem iberoamerikanischen Markt im IfM-Ranking sieben Plätze verlor und nun nur noch auf Rang 36 steht.

Auch in Deutschland mussten die wichtigsten Medienhäuser im vergangenen Jahr sinkende Umsätze verkraften. Die Bertelsmann AG, der größte europäische Medienkonzern auf Rang sieben im Ranking der 50 größten Medienkonzerne der Welt, erwirtschaftete beispielsweise nur noch 15,364 Milliarden Euro, 885 Millionen Euro weniger als 2008. Das entspricht einem Minus von 5,4 Prozent. Der Umsatz der ProSiebenSat.1 Media AG (Rang 42), schrumpfte um gut zehn Prozent auf 2,761 Milliarden Euro; die Umsatzerlöse des Axel-Springer-Verlags (Rang 44) sanken um 4,3 Prozent auf 2,612 Milliarden Euro.

Stabil blieb die ARD, der größte öffentlich-rechtliche Medienverbund der Welt. Sie nimmt aus Gebühren und Werbung rund 6,39 Milliarden Euro ein und liegt damit auf Rang 17 – vor der BBC, die Platz 20 belegt. Einen Platz in der Rangliste hat ferner die Hubert Burda Media Holding (Rang 50), so dass in diesem Jahr insgesamt fünf deutsche Medienkonzerne vertreten sind. Herausgefallen aus der Liste der 50 größten Medienkonzerne der Welt ist allerdings das Familienunternehmen Georg von Holtzbrinck, das sich 2009 von wichtigen Teilen des Verlagsgeschäfts wie der Handelsblatt- und der Tagesspiegel-Gruppe trennte.

Mit der Mediendatenbank auf www.mediadb.eu wird die Studie „Wer beherrscht die Medien?“ (Lutz Hachmeister/Günther Rager, C.H. Beck, 2005) fortgeführt. Die Datenbank bietet regelmäßig aktualisierte Unternehmensporträts und analysiert die medienökonomische Entwicklung. Die Medienkonzerne des Rankings sind als Unternehmen definiert, deren strategischer Fokus auf der Inhalte-Produktion in den Bereichen Print, TV, Film und Internet liegt. Die Größe eines Konzerns bemisst sich am Medienumsatz des jeweils letzten Geschäftsjahres. Basis für die Umsatzzahlen ist – soweit publiziert – der in den Geschäftsberichten ausgewiesene Betrag in Originalwährung. Zur Umrechnung in Euro wird der Mittelkurs des jeweiligen Jahres herangezogen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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