Paragon übernimmt Weltbild (Hintergründe)

13.05.2014

Am Wochenende wurde bekannt, dass die Private-Equity-Gruppe Paragon Partners den in der Insolvenz befindlichen Medienkonzern Weltbild übernehmen wird. Die private Investmentgesellschaft erhielt damit den Vorzug vor der Verlagsgruppe Holtzbrinck, der MTH-Holding des österreichischen Unternehmers Josef Taus (McGeiz) sowie der Hutter-Unternehmensgruppe. Die Option Paragon überrascht auf den ersten Blick, da der Investor im Gegensatz zu den anderen Bietern über so gut wie keine Erfahrung im Medien-, bzw. Verlagsgeschäfts verfügt. Die durch Kürzungen drastisch minimierte Belegschaft (rund 900 Mitarbeiter verloren seit Anfang des Jahres ihren Job) kann indes aufatmen, da der Konzern nicht komplett zerschlagen wurde und ihre Arbeitsplätze bis auf weiteres gesichert sind. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Übernahme näher beleuchtet und stellt Paragon Partners näher vor:

Wie sieht der Deal genau aus?
Entgegen ersten Vermutungen wird Weltbild nicht verkauft, sondern im Rahmen einer neu gegründeten Gesellschaft weitergeführt. In dieser, so berichtet das Branchenmagazin Buchreport, wird Paragon mit einem 51-prozentigen Mehrheitsanteil künftig alle relevanten Management-Entscheidungen treffen. Ein Sanierungskonzept, das die Grundlage für den entsprechenden Kauf-Vorvertrags ist, sieht vor, das Paragon im Zuge einer Kapitalerhöhung 20 Millionen Euro investieren wird. Die bisher verantwortliche Geschäftsführung wird wohl entmachtet und durch ein neues von Paragon ausgewähltes Management ersetzt. Interessant an dem Übernahme-Konstrukt ist auch, dass der bisherige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz die restlichen 49 Prozent der Anteile behalten wird, um weiterhin die Gläubiger zu bedienen.

Ist Paragon der richtige Investor für Weltbild?
Zumindest kurz- oder mittelfristig scheint Paragon der ideale Partner für Weltbild zu sein. Nur die wenigsten Beobachter sind davon ausgegangen, dass es Interessenten gibt, die Weltbild nicht in seine Einzelteile filetieren und problematische Segmente wie das Katalog- und Filialgeschäft weiterbetreiben wollen. Was nach drei bis fünf Jahren jedoch  mit Weltbild passiert, wenn Paragon sich erwartungsgemäß wieder zurückziehen wird, ist unklar. Dass während dieser Zeit weitere Kürzungen für ein gewinnbringendes Exit von Paragon vorgenommen werden, ist durchaus denkbar. Paragon ist zudem bisher nicht durch nennenswerte Erfahrungen im Mediengeschäft aufgefallen. Sieht man von Krischan von Moeller, einem drei Partner von Paragon ab, der zuvor Leiter der Unternehmensentwicklung bei Holtzbrinck war, fehlt auf den ersten Blick Expertise. Paragon hat bisher in medienfremde Märkte wie Motorradzubehör, Feuerwehramaturen und Werkstattbedarf investiert.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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