Onlinekonzerne starten Video-Offensive

08.10.2012

Heute verkündete YouTube, dass 50 weitere Kanäle mit selbst produzierten Inhalten gestartet werden. Bisher gab es rund 100 solcher Original Channels, die professionell produzierte Shows und Mini-Serien ausstrahlen. Künftig werden eigene Kanäle auch in Europa mit Inhalten in der jeweiligen Landessprache abrufbar sein. Doch auch andere Onlinekonzerne haben das Potenzial von selbst produziertem Video-Content für sich entdeckt. Traditionelles Fernsehen ist für werbetreibende Firmen zwar nach wie vor das attraktivere Medium (US-Firmen gaben in diesem Jahr bisher knapp 65 Milliarden US-Dollar für Fernsehwerbung und nur drei Milliarden für Online-Video-Werbung aus). Doch auf lange Sicht könnten Online-Sender dem Fernsehen Konkurrenz machen. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Video-Strategien von Google und Co. zusammengefasst:

Google
Google wird in den kommenden Monate weitere 200 Millionen US-Dollar in den Ausbau seiner YouTube "Original"-Kanäle investieren. Je nach Angebot, kümmert sich Google um die Vermarktung, stellt Produktionsequipment zur Verfügung oder übernimmt die komplette Produktion. Die 25 beliebtesten YouTube-Kanäle werden durchschnittlich von jeweils einer Million Menschen verfolgt; mittlerweile stieg die Zeit, die YouTube-Nutzer beim Verfolgen dieser Kanäle verbringen, auf vier Milliarden Stunden an. Unter anderem betreiben mittlerweile ABC News und ESPN (Walt Disney), die Obama-Administration und einzelne Comedians eigene Kanäle. Das Monetarisierungspotenzial der YouTube-Channels ist mittlerweile so groß, dass diverse Venture Capital-Firmen in sie investieren oder dass Medienkonzerne sie bereits aufgekauft haben. So wurde die "Nerdist"- und "Revision3"-Sender bereits von Legendary Entertainment, bzw. Discovery Communications akquiriert. Für die Google-Verantwortlichen ist YouTube bereits die neue Form des Kabelfernsehens.

Yahoo
Für 2012 hat Yahoo die Produktion zahlreicher neuer Serienformate und Talkshows in Auftrag gegeben, darunter "Katie's Take", moderiert von der renommierten CBS-Journalistin Katie Couric, eine Talkshow mit Schauspieler Jeff Goldblum sowie mit "Electric City" eine Science-Fiction Show von und mit Tom Hanks. Im Juni diesen Jahres wurde zudem eine Kooperation zwischen Yahoo Finance und dem Wirtschafts-Fernsehkanal CNBC eingefädelt und Clear Channel wurde zum offiziellen Web-Radiopartner von Yahoo. 70 Prozent der Inhalte der Yahoo News-Seiten werden bereits von Yahoo selbst produziert.

Amazon:
2010 wurde Amazon Studios ins Leben gerufen, die Produktionsfirma des Unternehmens. Amazon Studios ruft Künstler, Autoren und Produzenten dazu auf Ideen für Serien und Filme einzureichen, die nach einer Prüfung von Amazon finanziert und beim Streaming-Dienst Amazon Instant Video ausgestrahlt werden. Amazon Studios wird von Joe Lewis geleitet, der zuvor beim Filmstudio 20th Century Fox aktiv war.

Twitter:
Eines der vielversprechendsten Formate sind Reality-TV-Serien, die live bei Twitter ausgestrahlt und von den Nutzern kommentiert werden können. Twitter plant Dutzende solcher Serien und kooperiert dabei eng mit Hollywood-Produzenten. Überhaupt ist im Zuge der Olympischen Spiele, bei der Twitter eine umstrittene Kooperation mit NBC einging, die Medienstrategie des Unternehmens in den Fokus geraten. CEO Costolo bezeichnet Twitter bereits als Technologieunternehmen, das im Mediensektor aktiv sei.

Mehr dazu:

New York Times: YouTube to Serve Niche Tastes by Adding Channels (07.10.2012)

Allthingsd.com: Interview with YouTube Channel Guide Robert Kyncl (7.10.2012)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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