Online-/Medienkonzerne: wachsende Bedeutung von Smartphones

25.06.2012

Google schloss jüngst die Übernahme von Motorola Mobility ab, Facebook und Amazon wollen angeblich Blackberry-Hersteller RIM kaufen und Sony versucht, mit seinem neuen Xperia-Modell wieder im Mobilmarkt Fuß zu fassen. Für Online- und Medienkonzerne werden Smartphones immer wichtiger, um eigene Inhalte oder Content Dritter zu monetarisieren. Die Redaktion von mediadb.eu hat die Mobilstrategien der drei Unternehmen näher beleuchtet:

Sony:
Im unter anderem von Apple, HTC und Samsung dominierten Smartphone-Markt spielt Sony nur eine Nebenrolle. Dies soll sich durch die Einführung des neuen Xperia ändern, das in erster Linie als Multimedia-Device für die Distribution eigener Medieninhalte konzipiert ist. So sollen potenzielle Kunden mit Playstation-Spielen, exklusiven Film-Clips oder Musik von Sony-Labels angelockt werden. Es sind insbesondere die mobilen Playstation-Inhalte (die jüngst auch für HTC-Smartphones lizenziert wurden), mit denen Sony auf schleppende Verkäufe der Playstation 3 und der PS Vita reagieren will.

Facebook:
Seit Monaten ist bekannt, dass Facebook hinter der Kulissen an der Entwicklung eines eigenen Smartphones arbeitet. So wurden im vergangenen Jahr bereits zahlreiche ehemalige Apple-Ingenieure mit iPhone- und iPad-Erfahrung eingestellt und Foto-App-Hersteller Instagram übernommen. Ob Facebook allein ein Smartphone entwickeln wird, dies in Kooperation mit einem Hardware-Hersteller (wie das gemeinsam mit HTC geplannte "Buffy"-Smartphone) tun wird oder nur ein Betriebssystem für einen Hersteller entwickelt, ist derzeit noch offen. Außerdem besteht die Möglichkeit, Facebook könnte einen Smartphone-Hersteller komplett übernehmen. Potenzielle Kandidaten sind hierbei RIM (der Preis würde bei etwa sechs Milliarden US-Dollar liegen) oder HTC (ca. 12 Milliarden).

Geld für eine solche Übernahme hat das Unternehmen seit dem Börsengang mehr als genug. Der Konzern braucht ein eigenes Facebook-Phone, um im wichtiger werdenden mobilen Internet Anzeigen zu verkaufen. Social Games-Hersteller Zynga könnte Unterhaltungssoftware für Facebook-Smartphones bereitstellen. CEO Mark Zuckerberg, so zitiert die New York Times einen anonymen Facebook-Mitarbeiter, plagt offensichtlich die Angst, dass Facebook ansonsten einfach nur eine App für Smartphones bleiben wird.

Amazon:
Bereits Ende vergangenen Jahres gab Amazon angeblich ein Übernahmeangebot für RIM ab, was jedoch abgelehnt wurde. Amazon könnte mit dem Kauf eine Integrierung seines Kindle E-Readers in den Mobilmarkt oder die Verbesserung der Kindle-Technologie durch das Know-How der RIM-Ingenieure im Sinn gehabt haben. Zudem würde sich das Unternehmen eines Konkurrenten auf dem Markt für Tablets entledigen (RIMs Playbook) und wäre besser für den Konkurrenzkampf mit Apples iPad aufgestellt.

Mehr dazu:

New York Times: Facebook Tries, Tries Again on a Smartphone (27.05.2012) 

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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