Olympia-Rechte: Discovery mischt europäischen TV-Markt auf

30.06.2015

Discovery Firmenzentrale in Maryland, CC by Magnus Manske

Gestern wurde bekannt, dass Eurosport, Tochterunternehmen des US-Medienkonzern Discovery Communications für 1,3 Milliarden Euro die TV-Übertragungsrechte für die kommenden vier Olympischen Spiele erworben hat. Damit übertrumpfte Discovery auch die bisherigen Olympia-Partner ARD und ZDF, die nun höchstens noch sublizenzierte Teile der Berichterstattung von Eurosport erwerben können. Der Deal ist für Discovery Communications und CEO David Zaslav der vorläufige Höhepunkt einer vor Jahren begonnenen internationalen Expansionsstrategie. Es wird damit Zeit sich das Unternehmen aus Silver Spring, Maryland genauer anzuschauen. Die Redaktion von mediadb.eu hat die wichtigsten Eckdaten der Nummer 35 im Ranking der größten Medienunternehmen zusammengefasst und stellt den Architekten des Erfolgs vor:

Internationale Expansion
1985 als Kabelkanal auf Sendung gegangen wurde der Kabelkanal Discovery Channel sukzessive zu dem gleichnamigen Medienkonzern umgebaut, der heute global operiert und diverse weitere Kabelsender und Internetaktivitäten unter einem Dach vereint. So wurden zwischen 1985 und 2005 diverse Spartenkanäle gekauft oder eigens gegründet, die eine sinnvolle Ergänzung zum Discovery Channel darstellen sollten: The Learning Channel (1992), Animal Planet, Discovery Science, Discovery Kids, Discovery Civilization, Discovery Home and Leisure, Discovery Wings (alle 1996), Travel Channel (1997), Discovery Health Channel (1999), Fit TV (2003) und Discovery Lifestyle Networks (2004). Parallel dazu wurde die internationale Expansion vorangetrieben. 1989 wurde der Discovery Channel erstmals in Großbritannien ausgestrahlt; 1994 wurde der Schritt auf den lateinamerikanischen und asiatischen Markt gewagt; 1997 folgten Skandinavien und Mittel- und Osteuropa. Insgesamt wuchs die Zahl der Discovery-Zuschauer von 156.000 US-Amerikanern im Jahr 1985 auf 187 Millionen Menschen aus 146 Ländern im Jahr 2000.

In Deutschland hatte Discovery Communications 2006 den Sender XXP von den Anteilseignern Spiegel TV GmbH und DCTP (Alexander Kluge) gekauft und ihn in DMAX umbenannt.  Das weibliche Pendant zu DMAX, der Frauen-affine Sender TLC ging im April 2014 in Deutschland auf Sendung. Ende 2012 wurde von die SBS Nordic-Sendergruppe von ProSiebenSat.1 für 1,3 Milliarden Euro übernommen.Discovery kontrolliert nun 12 Fernsehsender in Skandinavien. Außerdem stieg Discovery Anfang 2013 bei der Eurosport-Sendergruppe ein, die dem französischen Medienkonzern TF1 gehört. Zunächt wurden 20 Prozent der Anteile übernommen, Anfang 2014 wurde der Anteil dann auf 51 Prozent erhöht. Im Mai schließlich kaufte Discovery gemeinsam mit Liberty Global für 670 Millionen Euro das britische Produzenten-Konglomerat All3Media, zu dem auch die deutschen Produktionsfirmen Filmpool, MME und Tower Productions zählen.

David Zaslav
Seit 2006 steht der gelernte Jurist David Zaslav an der Spitze von Discovery Communications. Zum ersten Kontakt mit dem Kabelkanal kam es bereits 1985. Als Aushilfs-Anwalt reiste er sechs Monate gemeinsam mit Gründer John Hendricks in den USA herum, um Vereinbarungen mit Kabelnetzbetreibern abzuschließen. Bereits zu dieser Zeit erkannte Zaslav die Chancen des Mediums Kabel und so war es nur folgerichtig, dass er anschließend bei NBC anheuerte, wo er für 18 Jahre die Kabelsparte von NBC Universal anführte. Dort war er unter anderem für den Launch der mittlerweile etablierten Sender CNBC und MSNBC verantwortlich.

Zaslav gilt als neuer Stern am US-Kabelhimmel. Innerhalb von vier Jahren schaffte er es, das Ruder bei dem Unternehmen herumzureißen, das unter Vorgängerin McHale ins Straucheln geraten war. Zwischen 2006, als er bei Discovery begann, und 2014 konnte er den Umsatz des Unternehmens von 2,88 Milliarden auf 6,3 Milliarden US-Dollar steigern. Als Zaslvas Meisterstück gilt jedoch die Verpflichtung von Moderatorin Oprah Winfrey, die 2011 ihren eigenen Fernsehkanal erhielt.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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