News Corp.: Neue Struktur, alte Probleme

12.06.2013

Am 28. Juni wird News Corp. in zwei eigenständig operierende Unternehmen aufgesplittet: einen Film- und Fernsehkonzern, 21st Century Fox, sowie ein Zeitungs- und Buchverlag, der weiterhin unter dem Namen "News Corp." firmiert. Mit der Maßnahme, die jüngst offiziell von Aktionärsseite genehmigt wurde, erhoffen sich News Corp.-Chef Rupert Murdoch und ein Großteil von Investoren vor allem zwei positive Effekte: Die Trennung des schwer defizitären Zeitungs- vom hochprofitablen Film- und Fernsehgeschäft sowie einen Schlussstrich unter den britischen Abhörskandal bei der "News of the World" und der "Sun", der den Konzern in den vergangenen Jahren imagemäßig und wirtschaftlich schwer getroffen hat. Die Redaktion von mediadb.eu stellt die neue Struktur der News Corp.-Unternehmen vor und beleuchtet mögliche Auswirkungen der Aufspaltung:

1. Wie werden die Geschäftsbereiche des Unternehmens künftig organisiert?
Das neue "News Corp."-Unternehmen ist in erster Linie ein Verlaghaus, das unter anderem die britischen Zeitungen "Sun" und "Times of London", die US-Titel "Wall Street Journal" und "New York Post" sowie diverse australische Zeitungen beinhaltet. Außerdem gehören dazu der Buchverlag HarperCollins, die Bildungssparte Amplify und der australische Pay-TV-Anbieter Foxtel. Das Tagessgeschäft von News Corp. wird Robert Thomson übernehmen; Rupert Murdoch bleibt jedoch weiterhin als Chairman an Bord. News Corp. wird von Beginn an mit frischem Geld in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar ausgestattet, mit dem neue Akquisitionen und Umstrukturierungen finanziert werden sollen. Geschäftsführer Thomson hat bereits angekündigt einen harten Sparkurs zu fahren. So sollen rund zehn Prozent der Angestellten der "New York Post" (jährliche Verluste: 110 Millionen US-Dollar) entlassen werden.

Chairman sowie zusätzlich CEO ist Murdoch auch vom zweiten neuen Unternehmen 21st Century Fox. Fox wird die übrigen Geschäftssegmente und Tochterfirmen vereinen, darunter die Anteile an den europäischen Pay-TV-Anbietern BskyB, Sky Italia und Sky Deutschland, das Hollywood-Studio 20th Century Fox sowie die lukrativen US-Kabelsender (u.a. Fox, FX, Fox News).

Die Murdoch-Familie wird weiterhin die Mehrheit der Aktien an beiden Unternehmen halten und die Aufsichtsräte dominieren. So werden Murdochs Söhne James und Lachlan in jeweils beiden Gremien vertreten sein. Kritiker unter den News Corp. Aktionären monieren bereits die weiterhin starke Dominanz der Murdochs und die entscheidende Rolle, die Rupert Murdoch in beiden Unternehmen einnimmt. So kritisierte etwa der christliche Investment-Fond CBIS die Neustrukturierung als "vergebene Chance", endlich Transparenz in die Unternehmensstruktur zu bringen.

2. Wird die Neugliederung zum ersehnten Befreiungsschlag?
Kurz- und mittelfristig wird die Reorganisation der Geschäftsbereiche die drängensten Probleme von News Corp. - den Niedergang der Printsparte und den Imageschaden des Abhörskandals - nicht beheben. Es bleibt fraglich, ob und wie verlustbringende Zeitungstitel wie die "Times" oder die "Post" jemals wieder schwarze Zahlen schreiben werden. Positiv von Aktionärseite ist jedoch, dass die Verluste aus dem Printbereich keinen Einfluss mehr auf die Ergebnisse aus dem Film- und TV-Geschäft haben können. Anders sieht es jedoch aus in Bezug auf den Abhörskandal aus. Der Plan, die negative Publicity durch die Abspaltung der Zeitungssparte vom Filmgeschäft fernzuhalten, wird voraussichtlich nicht aufgehen. So muss 21st Century Fox sämtliche Zivil-Prozess Kosten übernehmen, während News Corp. strafrechtliche Kosten trägt.

Sollte es das Unternehmen in absehbarer Zeit nicht schaffen, sich mit dem US-Justizministerium außergerichtlich wegen Verstoß gegen den Foreign Corrupt Practices Act zu einigen, droht weiteres Ungemach (spekuliert wird über die Summe von 850 Millionen Dollar, die News Corp. als Strafgebühr wegen der Bestechung britischer Polizeibeamter zahlen könnte). Weitere Details über die korrupte Unternehmenskultur, die im kommenden britischen Prozess gegen Mitarbeiter der "News of the World", Rebekah Brooks und Andy Coulson, im September möglicherweise an die Öffentlichkeit gelangen, werden auch 21st Century Fox indirekt treffen. So könnten britische Regulierungsbehörden eventuell zum Entschluss kommen, dem Unternehmen die Lizenz für BskyB zu entziehen.

Mehr dazu:

Bloomberg: News Corp. Investors Approve Breakup Plan (11.06.2013)

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