News Corp.: frisches Geld für Zukäufe

20.11.2012

Nachdem der Abhör-Skandal in Großbritannien für News Corp. weitesgehend ausgestanden scheint, kann sich dessen Chef Rupert Murdoch neuen Akquisitionen und Übernahmen zuwenden. Grund ist der im Juni 2012 verkündete Plan, News Corp. in zwei separate Unternehmen aufzuspalten - ein Zeitungs-, Buch- und Bildungskonzern und ein Film- und Fernsehunternehmen. Aktionäre begrüßen die Teilung des Unternehmens; die teilweise verlustbringenden Aktivitäten im Printsektor wurden stets als Bedrohung für das profitablere Film- und Fernsehgeschäft angesehen. Hinzu kommt, dass durch die wegen des Abhörskandals zurückgezogene Komplett-Übernahme des britischen Pay-TV-Anbieters BSkyB rund 12 Milliarden US-Dollar in der Kriegskasse des Konzerns bleiben. Insgesamt scheint die die Stimmung im Unternehmen gut zu sein, insbesondere weil der Pädophilie-Skandal bei der stets von Rupert und James Murdoch kritisierten BBC die illegalen Praktiken bei der "News of the World" teilweise aus den Schlagzeilen verdrängt hat. Die Redaktion von mediadb.eu hat die jüngsten Übernahme-Pläne von News Corp. zusammengefasst:

Yes Network:
Für rund drei Millionen US-Dollar will Murdoch einen 49-prozentigen Anteil am regionalen Kabelsender YES (Yankees Entertainment and Sports Network) übernehmen. Der Haus- und Hofsender des gleichnamigen Baseball-Teams aus New York würde News Corps Fox Sports Senderkette entscheidend verstärken und könnte die Pläne des Konzerns beschleunigen, einen landesweiten Sportsender zu gründen, der die Quasi-Monopolstellung von Walt Disneys ESPN beenden würde. Für die Aktionäre gelten Investitionen in Sport-Inhalte als sicherer und krisenresistent.

US-Zeitungen:
Obwohl von offizieller Seite dementiert, zeigt sich Murdoch weiterhin interessiert an den prestigeträchtigen US-Blättern "Los Angeles Times" und "Chicago Tribune" beide gehören zum krisengeschüttelten und insolventen Tribune-Konzern, der die verlustreichen Zeitungen unbedingt verkaufen möchte. Mit der "Times" und dem "Chicago Tribune" könnte Murdoch seinen Einfluss auf zwei US-Großstädte ausweiten. Allerdings besitzt News Corp. in Los Angeles und Chicago jeweils einen regionalen TV-Sender, weshalb die Regulierungsbehörde FCC die Übernahmen untersagen könnte.

Foxtel:
Jüngst kaufte Murdoch für rund zwei Milliarden US-Dollar weitere Anteile an Foxtel, dem führenden Pay-TV-Anbieter in Australien. In seinem Heimatland kontrolliert Murdoch fast drei Viertel des gesamten Printsektors, darunter die führenden Tageszeitungen in vier australischen Großstädten. Die seit einem Jahr regierende rot-grüne Regierungskoalition hat jedoch bereits angekündigt,die Meinungsmacht von News Corp. in Australien auf den Prüfstand stellen zu wollen.

Bücher und Bildung:
Kurz bevor der britische Penguin-Verlag an Bertelsmann verkauft wurde, meldete auch News Corps. Buchverlag HarperCollins Interesse an der Buchsparte von Pearson an. Die neue Marktmacht von Penguin Random House wird das Unternehmen jedoch nur in seinen Vorhaben bestärkt haben, durch Zukäufe und Übernahmen anderer großer Verlage zu wachsen. Teil des abgespalteten Unternehmens ist auch Amplify, die neue, bisher noch überschaubare Lern- und Bildungssparte des Unternehmens. Experten gehen davon aus, dass diese in den kommenden Jahren signifikant ausgebaut wird.

Mehr dazu:

New York Times: Clouds Lifting Over Murdoch, He's Out to Buy Again (19.11.2012)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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