Neues Medienkonzern-Ranking: Comcast und Google enteilen der Konkurrenz

30.05.2014

An Comcasts und Googles Marktführerschaft in der internationalen Medienbranche wird sich wohl auf Jahre nichts ändern. Dies geht aus der heute vom Institut für Medien- und Kommunikationspolitik publizierten Rangliste der 50 größten Medienkonzerne hervor. Kriterium für das Ranking ist der Jahresumsatz 2013.

Comcast, der Telekommunikations- und Medienkonzern aus Philadelphia wird unter der Vorraussetzung einer kartellrechtlichen Genehmigung Anfang 2015 seinen größten Konkurrenten Time Warner Cable übernehmen und dann seinen Umsatz auf geschätzte 65 bis 70 Mrd. Euro vervielfachen. Als Hybrid aus Internet Service Provider und traditionellem Medienkonzern kontrolliert Comcast sowohl einen erheblichen Teil der US-Netzinfrastruktur als auch eine immense Anzahl von Inhalten. Das Unternehmen wird in den kommenden Jahren seine Quasi-Monopolstellung weiter ausbauen und von den gegenwärtigen Plänen der Regulierungsbehörde FCC zur de facto Abschaffung der Netzneutralität enorm profitieren.
Es ist davon auszugehen, dass auch die Nummer Zwei im Ranking, der Medien- und Wissenskonzern Google, in den kommenden Jahren durch Zukäufe weiter wachsen wird. Allein 20 bis 30 Milliarden US-Dollar hat das Unternehmen für die Übernahme ausländischer Unternehmen eingeplant, wie aus einem vergangene Woche veröffentlichten Schreiben an die US-Börsenaufsicht SEC zu entnehmen war.

Mit einem Umsatz von umgerechnet 48,6 Milliarden Euro verteidigte Comcast seine Spitzenposition dicht gefolgt von Google (45,04 Mrd. Euro). Walt Disney landete mit einem Umsatz von 33,9 Mrd. Euro abgeschlagen auf Rang drei. 2010 – vor Comcasts Übernahme von NBC Universal und der Aufnahme von Google in das Ranking – führte noch Walt Disney die Rangliste an.

Im diesjährigen IfM-Ranking liegt Bertelsmann mit einem nur leicht gestiegenen Umsatz von 16,4 Milliarden Euro hinter News Corp, DirecTV (das im Zuge eines weiteren spektakulären Mergers von Telekommunikationskonzern AT&T übernommen werden soll), Time Warner (von Time Warner Cable abgespalten), Viacom/CBS und Sony Entertainment auf Rang neun. Die übrigen deutschen Vertreter im Ranking sind die größte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt der Welt, die ARD (mit einem Budget von 6,28 Mrd. Euro auf Rang 19) sowie die Axel Springer SE (2,8 Mrd. Euro, Rang 45). ProSiebenSat.1 (im Vorjahr auf Rang 48) ist aufgrund eines Umsatzrückganges von 2,9 auf 2,6 Mrd. Euro nicht mehr in den diesjährigen Top 50 vertreten. Der Umsatz der zehn größten deutschen Medienkonzerne betrug 2013 insgesamt 39,58 Mrd. Euro und fällt damit 20 Prozent geringer aus, als der Betrag, den allein Comcast erwirtschaften konnte.

Zu den Gewinnern der Rangliste zählt insbesondere die Hearst Corporation, deren Umsatz aufgrund einer erfolgreichen Digitalisierungsstrategie und einer Beteiligung an Walt Disneys TV-Sport-Netzwerk ESPN mittlerweile auf jährlich 7,5 Mrd. Euro geschätzt wird. Seine Position verbessern konnte erneut auch Discovery Communications. Das Unternehmen, das sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Non-Fiction-Inhalten spezialisiert hat und Anfang 2014 eine Mehrheitsbeteiligung an Eurosport erwarb, steigerte seinen Umsatz auf 4,17 Milliarden Euro und kletterte im Ranking von Platz 37 auf 33. Discovery ist mit einer Umsatzrendite von über 36 Prozent zudem der profitabelste Medienkonzern im Ranking.
 
Einen großen Umsatzsprung konnte auch Netflix verbuchen. Im vergangenen Jahr erst auf Platz 50 eingestiegen, verbesserte sich das Streaming-Unternehmen, welches gerade einen umstrittenen Vertriebsdeal zur Bevorzugung ihrer Inhalte bei der Datenübertragung mit Comcast eingegangen ist, um zehn Plätze (3,29 Mrd. Euro).

Zu den größten Verlierern zählt Yahoo, das mit einem stagnierenden Umsatz von 3,52 Mrd. Euro von Platz 33 auf 38 abrutschte und gegenwärtig versucht, seine Identitätskrise durch den Einstieg in die Online-TV-Serienproduktion zu überwinden. Dramatische Umsatzeinbußen musste auch der italienische Medienkonzern Mediaset hinnehmen, der im Ranking fünf Plätze verlor und mit einem auf Rang 39 landete (3,42 Mrd. Euro). Weiterhin auffällig ist die vergleichsweise schwache Stellung internationaler Verlagshäuser im Ranking: Gannett (USA), Bonnier AB (Schweden), Axel Springer und die inzwischen in Graham Holdings umbenannte Washington Post Company mussten allesamt Umsatzrückgänge hinnehmen und drohen langfristig komplett aus den Top 50 zu verschwinden.

Der Gesamtumsatz der 50 größten Medienkonzerne der Welt ist im Geschäftsjahr 2013 um sechs Prozent gestiegen. Sie setzten zusammen 472,6 Milliarden Euro um, nachdem der Gesamtumsatz der Medienhäuser im Vorjahr bei 445,73 Milliarden Euro gelegen hatte.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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