Neues Geschäftsmodell: Mütter-Blogs und Eltern-Zeitschriften

15.11.2011

Gestern wurde bekannt, dass die Walt Disney Company das Mütter-Blog-Netzwerk „Babble Media“ übernimmt. Etwa 200 Mütter bloggen regelmäßig in dem seit fünf Jahren bestehenden Blog. In den USA ist ein regelrechter Boom von Mütter- und Eltern-Blogs zu verzeichnen, welche dort zu den populärsten Websites zählen. Insgesamt gibt es allein in den USA bereits 3,9 Millionen Mütter-Blogs. Im September launchte Gruner +  Jahr (Bertelsmann AG) den seit zehn Jahren in der Schublade schlummernden Titel „Brigitte Mom“, dessen Resonanz alle Erwartungen übertraf. Ganze Ordner seien mit Leserbriefen gefüllt. Entdecken die Medienunternehmen eine neue Leserschaft für sich oder handelt es sich um einen „evergreen content“? Die Redaktion von mediadb.eu hat die neuesten Entwicklungen beobachtet und die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:

Welche aktuellen Entwicklungen gibt es auf dem US-amerikanischen Medienmarkt für werdende Eltern und Mütter?
Walt Disney Company
: Um sein interaktives „Eltern-Portfolio“ auszubauen, übernimmt die Walt Disney Company das Mütter-Blog-Netzwerk „Babble Media“. Über die finanziellen Absprachen machten beide Seiten keine Angaben. Die Meldung zur Übernahme erscheint eine Woche nachdem Disney seine Quartalsergebnisse präsentierte, die  - abgesehen von der Sparte „interaktive Medien“ - positiv ausfielen. Bereits im April 2009 kündigte Disney eine strategische Ausweitung auf Mütter- und Baby-bezogene Onlineseiten an und akquirierte für 18,4 Millionen US-Dollar den Kinder- und Familien-Blog „Kaboose“.

Gannett: Die größte Zeitungskette der USA versuchte sich auch in dem Geschäftsbereich. Mit dem Rücktritt seines Geschäftsführers Craig Dubow im Oktober dieses Jahres kam es jedoch zu einer strategischen Neuausrichtung des Konzerns. Der Fokus wurde umgelenkt auf Investitionen in die Nachrichtenproduktion, auf lokale Marketingdienste wie „DealChicken“  und neue Produktentwicklungen. In diesem Zusammenhang wurde das Eltern-Online-Netzwerk „MomsLikeMe“ mit über 100 Lokalseiten offline gestellt und gelöscht. Das im Jahr 2006 gelaunchte Webseitennetzwerk vereinte monatlich 800.000 unique users. Branchenkennern zufolge zog sich Gannett aus dem Geschäftsbereich zurück, weil die Nutzerzahlen zu gering ausfielen, um genügend Erträge zu erzielen.

Inwiefern gibt es Erlöspotentiale im Hinblick auf eine Eltern-Leserschaft in Deutschland?
Laut Informationen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden kommen derzeit in Deutschland mehr Kinder zur Welt. Die durchschnittliche Kinderzahl je Frau betrug im vergangenen Jahr 1,39. Seit 1990 war dieser Wert nicht mehr so hoch.

Wie gestaltet sich der Markt für Eltern- und Mütter-Zeitschriften in Deutschland?
Von den größten deutschen Medienunternehmen sind auf dem deutschsprachigen Markt weder die Axel Springer AG, die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Hubert Burda Media noch die Bauer Media Group in der Eltern- oder Mütter-Zeitschriftensparte vertreten.
Auf Kinder- und Familientitel hat sich der Verlag Family Media GmbH & Co. KG spezialisiert, der mit neun Zeitschriftentiteln eines der führenden Medienhäuser für Kinder- und Familien-Zeitschriften darstellt. Während sich die Magazine an Eltern und Kinder bzw. schwangere Frauen wenden, strebt Gruner + Jahr (Bertelsmann) mit dem neuen Titel „Brigitte Mom“ die Zielgruppe der Frauen mit Kinderwunsch an. Chefredakteur Andreas Lebert ist sich sicher, mit dem Titel auch eine neue Leserschaft gewonnen zu haben. Im deutschen Markt sind Gruner + Jahr zusätzlich mit den beiden Titeln „Eltern Family“ und „Eltern“ vertreten. Der Titel „Eltern“ hatte laut Informationen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) im August 2011 eine Auflage von 393.000 Stück (Verbreitung: 322.469).

Mehr dazu:

Meedia: Gruner + Jahr: Brigitte Mom geht in Serie (07.11.2011)

paidContent: Disney Buys Mom Blog Network Babble Media (14.11.2011)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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