Ein Entertainmentriese entsteht. Banijay (Paris) kauft Endemol Shine (Amsterdam)

26.11.2019

Für 2,2 Millliarden Dollar, so übereinstimmende Schätzungen, kauft Banijay, globaler Entertainment-Player mit Sitz in Paris, die niederländische Endemol Shine-Gruppe, den laut Selbsteinschätzung weltgrößten unabhängigen Produzenten (scripted/non-scripted TV, Liveshows, Gaming, Merchandising u.m.). Mit dem Merger entsteht ein gewaltiges Konglomerat der TV-Produktion: Fast 200 Firmen in 23 Ländern, mit 100.000 Stunden an Inhalten und 4.300 registrierten Sendeformaten allein von Endemol.

Stéphane Courbit, Unternehmenschef und französischer Entrepreneur Jahrgang 1965, gründete Banijay 2008, damals unterstützt von der Luxus-Holding um Bernard Arnault (LVMH) und den Familien Agnelli und De Agostini. Durch weltweite Zukäufe von Produktionshäusern entstand ein beeindruckendes Portfolio auf vier Kontinenten, in den Bereichen Doku, Fiktion, Entertainment, Gameshows, Kinder- und Reality-TV. Zuletzt waren die Gesellschafter Courbits LOV Group (31 %), De Agostini (30,9 %), Vivendi (28,4 %) und der französische TV-Moderator Nagui (5,3%). Stéphane Courbit wurde 2018 mit einem Vermögen von ca. 800 Millionen Euro vom Magazin Challenges auf Platz 114 der reichsten Franzosen gelistet.

2009 schon hatte Banijay einen 50%-Anteil am Kölner Produzenten Brainpool („TV Total“, „Schlag den Raab“, „Der Bachelor“, „Ladykracher“ u.v.m.) erworben. Für Aufsehen sorgte ab 2015 der Rechtsstreit um Stefan Raabs 12,5 prozentigen Anteil an Brainpool, den er an Banijay verkaufen wollte. Jörg Grabosch, Brainpool-Mitgründer und zu dem Zeitpunkt Geschäftsführer, wollte verhindern, dass Banijay mit dann insgesamt 62,5 Prozent die Mehrheit übernimmt, gab seinen Widerstand nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln Mai 2019 aber auf (ein Verkaufsverbot der Anteile war Ende 2016 abgelaufen). „Wenn man sich mit einem Elefanten ins Bett legt, darf man sich nachher nicht wundern, dass es eng wird", so der Vorsitzende Richter. Banijay hatte lange auf eine Mitsprache bei Brainpool verzichtet. Erst als das Geschäft nach dem Rückzug von Stefan Raab schlechter lief, drängten die Franzosen darauf, Banijay-Formate für den deutschen Markt zu adaptieren. Wogegen Grabosch sich lange gewehrt hatte. 2018 wurde er als Geschäftsführer abberufen. Marcus Wolter, seit August 2018 CEO des Deutschland-Geschäfts von Banijai, wurde im Januar 2019 Brainpool-Chef.

Ende Juni 2019 kam neben Brainpool und Raab TV auch der inhabergeführte Produzent Good Times (Köln) zu 100 % unter das Banijay-Dach. CEO Wolter begrüßte das „neue Familienmitglied“, Entwickler erfolgreicher Daytime-Formate im Factual Entertainment und Social-Docu-Bereich. Z.B. „Armes Deutschland“ (RTL II ), „Mein Lokal, Dein Lokal – Der Profi kommt“ (kabel eins), „Der Trödeltrupp – Das Geld liegt im Keller“ (RTL II), „Dinner Party – Der LateNight Talk“ (Sat.1), „Unser Kiosk – Trost und Prost im Viertel“ (kabel eins).

Jetzt die Großübernahme von Endemol Shine. Schon lange waren die Verkaufsabsichten der Eigentümer (21st Century Fox, die Apollo Gobal-Beteiligungsgesellschaft) kein Geheimnis, es gab verschiedene Interessenten (ITV, Fremantle, Banijay), aber keinen Abschluss. Bewegung in die Sache kam mit der Fox-Übernahme durch Disney. Disney verfügte über genug eigene Produktionskapazitäten, der Endemol-Anteil war kein „strategisches Asset“ mehr, die Verhandlungen mit Banijay wurden forciert. Ende Oktober 2019 wurde vermeldet: „French Banijay's Endemol takeover creates global TV production powerhouse“. Man kannte sich. Banijay-Geschäftsführer Stéphane Courbit hatte von 2001 bis 2007 den französischen Ableger Endemol France aufgebaut. Der starke Mann in Deutschland, „Stefan Raab-Entdecker“ Marcus Wolf, war CEO von Endemol Shine Germany von Dezember 2014 bis Januar 2018.

Ein Satz zu Endemol. 1994 gegründet von den niederländischen TV-Machern Joop van den Ende und John de Mol hatte Endemol v.a. mit Big Brother international sehr großen Erfolg. 2014 erfolgte der Zusammenschluss von Endemol (apollo global), der Shine Group (21st Century Fox) und der CORE Media Group („American Idol“) zum „mega-indie“ der Endemol Shine-Gruppe. Formate auf dem deutschen Markt: „Wer wird Millionär“ (RTL), „Kitchen Impossible“ (VOX), „Promi Big Brother“ (SAT.1), „Circus Halligalli“ (ProSieben) und einige Dutzend mehr.

Gesellschaftermodell von Banijay nach Abschluss der Fusion: Vivendi wird über einen Anteil in Höhe von 32,9 % verfügen, die restlichen 67,1 % wird die LDH-Holding übernehmen (die wiederum zu 52% an LOV gehen wird, zu 36% an De Agostini und zu 12% an den französischen Investor Marc Ladreit de Lacharrière ). Das alles unter Vorbehalt, die Regulierungsbehörden müssen noch zustimmen.

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