Netflix-Pläne: mehr Filme, Preise und Abonennten in Europa

22.05.2017

Brian Cantoni (CC BY 2.0)

Rund die Hälfte der 100 Millionen Netflix-User kommt aus den USA. Wie sich die andere Hälfte auf einzelne Länder verteilt, ist nicht bekannt. Doch Fakt ist, dass das Streamingunternehmen vor allem in Europa weiter wachsen muss, um seine Aktionäre zufrieden zu stellen. Um die medienpolitischen Rahmenbedingungen für seine Europa-Offensive möglichst günstig zu beeinflussen, sucht Netflix nun einen neuen Global Policy-Chef, der von der Europa-Zentrale in Amsterdam aus gute Beziehungen zur Europäischen Kommission, insbesondere der relativ Silicon Valley-kritischen Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, aufbauen soll. Teile der europäsichen Filmindustrie blicken misstrauisch auf die Aktivitäten des Streamingmarktführers, dessen wachsende Popularität sowohl die Sehgewohnheiten als die nationalen Filmmärkte auf den Kopf stellt. Auf der anderen Seite wird das Unternehmen wohl weitere Milliardensummen in die Produktion von europäischen Inhalten investieren (bisher waren es 1,75 Milliarden Euro). Das Unternehmen kündigte bereits Anfang Mai an, 400 neue Jobs in Europa zu kreieren sowie eine spanische ("Las Chicas del Cable") und deutsche Serie zu produzieren ("Dogs of Berlin").

Kritik aber auch Lob musste das Unternehmen vergangene Woche bei den Filmfestspielen von Cannes einstecken, wo es zwei Filme vorstellte. Jury-Direktor Pedro Almodovar begrüßte eine neue Regel, derzufolge ab dem kommenden Jahr nur Filme ins Programm von Cannes aufgenommen werden, die später auch in die französischen Kinos kommen. Andere Jury-Mitglieder wie etwa Schauspieler Will Smith, der in diesem Jahr selbst in einer exklusiven Netflix-Produktion zu sehen ist ("Bright), hingegen lobten die globale Ausrichtung des Netflix-Angebots. Wie das Unternehmen in den einzelnen europäischen Filmmärkten wahrgenommen wird, hängt auch mit der Teilnahme an Festivals und Kritikerpreisen zusammen. Die 50 Originalfilme, die Netflix 2017 vertreibt, sollen langfristig den gleichen kulturellen Stellenwert erhalten, wie die traditionellen Kinoproduktionen. Neben einer kulturellen Revolution (etwa, wenn wie von Netflix langfristig angestrebt, Filme beim Kinostart zeitgleich online auf Abruf erhältlich sind) müssen dazu auch die Mitglieder von Kritikerverbänden ins Boot geholt werden. In den USA hat Netflix dafür eigens in Hollywood nun eine mit Serien-Memorabilia ausgestattete Streaming-Erlebniswelt eröffnet, mit der insbesondere Emmy-stimmberechtigte Mitglieder der TV Academy von der Qualität seiner Serien und Filme überzeugt werden sollen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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