Netflix: bald nur noch Original-Serien?

27.05.2013

Vergangenes Wochenende veröffentlichte Video-on-Demand-Anbieter Netlix mit der Neuauflage von "Arrested Development" bereits sein viertes selbst produziertes Format in diesem Jahr. Begonnen hatte die Content-Offensive im Februar mit der Polit-Serie "House of Cards" mit Kevin Spacey in der Hauptrolle. Sämtliche Episoden einer Staffel werden gleichzeitig für die 34 Millionen Netflixkunden aus 40 Ländern zugänglich gemacht - ein Zugeständnis an veränderte Sehgewohnheiten. Im Fall von Netflix-Serien hat sich im Volksmund bereits der an Essstörungen angelehnte Begriff "binge-viewing" etabliert, der das Gucken sämtlicher Folgen hintereinander beschreibt. Zwar veröffentlicht Netflix keine Zuschauerzahlen, Insider gehen jedoch davon aus, dass das Videoportal insgesamt mehr Zuschauer hat als Kabelsender und herkömliche Pay-TV-Anbieter. Das wirtschaftliche Potenzial eines florierenden Video-on-Demand-Portals ist längst kein Geheimnis mehr: gegenwärtig ist ein Bieterwettstreit um die Übernahme von Netflix Konkurrent Hulu im Gange, an dem Yahoo, Time Warner Cable, die Chernin Group und DirectTV sowie die Private Equity-Gruppen KKR, Guggenheim Digital und Silver Lake Partners beteiligt sind. Die Redaktion von mediadb.eu hat jüngsten Entwicklungen und Pläne bei Netflix zusammengefasst:

Welche Bedeutung hat "Arrested Development" für Netflix?
Die Entscheidung, die Comedyserie, die schon von 2003 bis 2006 auf dem US-Sender Fox lief, auf Netflix zu relaunchen, wurde nicht ohne Grund gefällt. Obwohl "Arrested Development" nach seiner dritten Staffel aufgrund schwacher Einschaltquoten eingestellt wurde, entwickelte die Serie ihren Kultstatus durch DVD-Verkäufe und der Verfügbarkeit in Online-Videotheken. Struktur und Humor des Formats sind ohnehin nicht auf lineare und durch Werbung unterbrochene Ausstrahlung im TV angelegt. Bei Netflix können die Episoden nun in beliebiger Reihenfolge und aufgrund komplexer Handlungsstränge auch mehrfach angeschaut werden. So ensteht eine Millionen-Fanbasis für eine Show, die im normalen Fernsehen nur wenig Zuschauer fand. Auch andere etablierte Serien wie "Mad Men" oder "Breaking Bad" verdanken ihre Popularität Onlinevideotheken wie Netflix.

Was plant Netflix in den kommenden Jahren?
Der Anteil an Original-Content soll nach Wunsch von CEO Reed Hastings (Foto) kontinuierlich ausgebaut werden. Schon jetzt beträgt das Produktions-Budget rund zwei Milliarden US-Dollar. Um sich unabhängiger von wertvollen TV-Lizenzen der Partner zu machen (die Netflix zunehmend als Bedrohung für ihr Kerngeschäft identifizieren), plant Content-Chef Ted Sarandos bis zu zwanzig neue Serien in Auftrag zu geben. 2014 wird etwa mit "Sense8" eine Science-Fiction-Serie der "Matrix"-Regisseure gestartet, andere Formate sind "Orange is The NeW Black" oder "Turbo F.A.S.T". Zudem wurden bereits Gespräche mit Steven Spielberg und Warren Beatty bezüglich möglicher Projekte geführt. Auf lange Sicht könnten bei Netflix ausschließlich selbst produzierte Inhalte laufen.

Mehr dazu:

Guardian: 'We see an incredible appetite for TV' (26.05.2013)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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