Nach Übernahme: Was planen Meredith und die Koch-Brüder mit dem Time-Verlag?

28.11.2017

(Chris Bray CC BY-SA 2.0)

Es ist einer der interessantesten Übernahme-Konstellationen in der US-Medienlandschaft seit langem: Ein auf Frauen- und Gartenmagazine spezialisiertes Verlagshaus aus Iowa übernimmt mit Hilfe einer Finanzspritze zwei konservativer Milliardärs-Brüder einen weltbekannten Zeitschriftenverlag aus New York. Für 2,8 Milliarden Dollar wird die Meredith Corporation (Family Circle, Better Homes and Garden) gemeinsam mit dem Brüderpaar Charles und David Koch (Koch Industries) das einst so prestigeträchtige Verlagshaus Time Inc. (Sports Illustrated, LIFE, Time Magazine) kaufen. Ohne die Investitionen der umstrittenen Koch-Magnate, die in der Vergangenheit mehrfach durch massive Spenden an ultra-konservative Mitglieder der Republikanischen Partei und der Tea-Party aufgefallen sind, hätte Meredith die Transaktion nicht stemmen können.

Es bleibt jedoch die Frage im Raum stehen: Was wollen Meredith, bzw. Koch mit dem kriselnden Verlagsriesen? 2013, stand Meredith schon einmal kurz vor dem Kauf von Time Inc., sprang dann jedoch ab, weil man nicht wusste, wie man die journalistisch namhaften, jedoch auch runtergewirtschafteten Time-Marken in das auf Frauen- und Einrichtungsthemen spezialisierte Portfolio eingliedern sollte. Die dramatische wirtschaftliche Lage und die Anzeigenverluste bei den Time-Titeln haben sich seitdem nicht verbessert. Nun, mit den Koch-Brüdern an Bord, sind die TIME-Publikationen jedoch auf einmal wieder interessant - was die Vermutung nahe legt, dass es die Koch-Brüder auf die Time Inc.-Zeitschriften abgesehen haben, um diese möglicherweise als Vehikel für ihre neoliberalen Wirtschaftsideologien zu missbrauchen. Ein mögliches Szenario wäre in diesem Fall, dass Meredith die bekanntesten Time-Magazine nach Abwicklung der Übernahme sofort wieder verkauft, vielleicht dann direkt an die Koch-Brüder.

Charles und David Koch haben jegliche Spekulationen dementiert, dass sie Einfluss auf die redaktionelle Ausrichtung nehmen werden. Die Time Inc.-Journalisten zeigten sich jedoch nach Verkündung der Übernahme entsetzt und befürchten nach Jahren der Misswirtschaft, in der vor allem der digitale Wandel vollkommen verschlafen wurde, weitere drastische Kürzungen und Entlassungen. Time Magazine und weitere der rund 100 Titel sollen bis auf weiteres in New York bleiben, doch Meredith wird genau hinschauen, wo Synergieeffekte bestehen und die Produktion der Magazine entsprechend abstimmen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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