Nach Reorganisation: Wer ist Googles neuer CEO Sundar Pichai?

11.08.2015

Sundar Pichai CC by Maurizio Pesce

Gestern verkündete Google überraschend eine umfassende Änderung seiner Unternehmensstruktur: Künftig wird Googles Onlinegeschäft Teil einer Holding namens Alphabet, die ähnlich wie Warren Buffets Konglomerat Berkshire Hathaway als Dachgesellschaft für Googles verschiedene Geschäftsbereiche fungiert. Neben der weiterhin unter dem Namen Google firmierenden Onlinesparte gehören zum Mutterkonzern Alphabet künftig Calico (Gesundheit), der Kabelkonzern Fiber, der Investment-Arme Google Ventures und Google Capital, der High Tech-Sparte Google X (inklusive Life Sciences) sowie der "Internet of Things"-Marke Nest.

Die beiden Google-Gründer ziehen sich formal aus dem klassischen Onlinegeschäft zurück: Larry Page und Sergey Brin werden CEO, bzw. Präsident von Alphabet Inc. Neuer CEO von Google wird hingegen Sundar Pichai, der bereits im letzten Jahr de facto für das Tagesgeschäft sämtlicher Google-Dienste war. Pichai hat in den vergangenen zehn Jahren eine in jeglicher Hinsicht bemerkenswerte Laufbahn absolviert. Unter ärmlichen Verhältnissen im indischen Chennai aufgewachsen, hielt er erst mit 12 Jahren ein Telefon in der Hand - und avancierte dennoch als Chef von Googles Android-Sparte zu einem der einflussreichsten Mobile-Manager der Welt. Nachdem er nach dem Studium bei Google anfing, machte er erstmals auf sich aufmerksam, als er das Suchfenster im rechten, oberen Rand von Webbrowsern entwickelte. Später setzte er sich gegen die Bedenken des damaligen CEOs Eric Schmidt dafür ein, dass Google mit Chrome einen eigenen Webbrowser entwickelte. In der Folge zeichnete er sich für viele von Googles beliebtesten Applikationen und Produkten verantwortlich, u.a. Chromebooks, Gmail, Docs und Maps. Als Chef von Android sorgte er dafür, dass die lange Zeit geltende strikte Trennung zwischen Android und den übrigen Search-Bereichen langsam aufgehoben wurde.

Unter Google-Mitarbeitern gilt Pichai als äußerst beliebt und zugänglich; für Larry Page und Sergey Brin gab vor allem Ausschlag ihn zum CEO zu ernennen, dass er technisches Fachwissen mit diplomatischen Geschick und Geschäftssinn vereint. Zudem teilt Pichai das für außenstehende manchmal utopisch anmutende visionäre Weltbild. So besteht sein oberstes Ziel darin, "the next billion" zu erreichen - also die Milliarde Menschen im globalen Süden mit mobilen Internet und Smartphones auszustatten. Erreicht werden soll dies im Rahmen von Project Loon, das vorsieht mittels Wetterballons drahtloses Internet in die entlegensten Regionen der Welt zu bringen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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