Nach Newsweek-Einstellung: Print- und Onlinestrategien der US-Verlagshäuser

18.10.2012

Heute wurde von Mutterkonzern IAC verkündet, dass die Printausgabe des traditionsreichen US-Wochenmagazin Newsweek zum Jahresende eingestellt wird. Künftig wird die Zeitschrift nur noch als zentralisierte Onlineausgabe "Newsweek Global" erscheinen. Zuletzt hatte Newsweek dramatisch an Lesern und Werbeumsätzen verloren und machte jährliche Verluste von bis 40 Millionen US-Dollar. Zwischen 2001 und 2012 sank die Auflage von 3.158 auf nur noch 1.572 verkaufte Exemplare. Aufsehenerregende Titelbilder verhalfen Newsweek zwar zu einer kurzlebigen Aufmerksamkeitsschub in US-Medienzirkeln; die Mehrheit der ehemals treuen Leser bezog sich ihre Informationen inzwischen lieber kostenlos aus dem Internet.

Die Einstellung der Printausgabe von Newsweek entspricht einem allgemeinen Trend. Kioskverkäufe gingen 2011 insgesamt um neun Prozent zurück. Bis 2016 werden die digitalen Werbeumsätze jedoch weiter ansteigen und die Print-Verluste zumindest teilweise ausgleichen. Wie steht es um andere US-Magazintitel und die Zeitschriftenbranche im Allgemeinen? Während es oberflächlich so scheint, als ob anzeigenbasierte Print-Magazine auf mittel- und langfristige Sicht endgültig der Vergangenheit angehören, generieren Print-Versionen von Magazinen sowie Abo-Titel in Kombination mit Tablet-Ausgaben nach wie vor Gewinne. Experten prognostizieren für 2012 sogar eine leichte Steigerung der Anzeigenumsätze auf insgesamt 18,3 Mrd. US-Dollar. Die Redaktion von mediadb.eu hat die wirtschaftliche Lage von drei der größten US-Verlagshäuser zusammengefasst:

Time Inc.
Time Magazine bleibt zwar nach wie vor mit Abstand die populärste Wochenzeitschrift weltweit und ist nach der Einstellung der Printausgaben von Newsweek und U.S. News and World Report das einzige der ehemals großen drei US-Magazine, das weiterhin eine Printausgabe herausbringt. Allerdings muss auch Time mit erheblichen Problemen kämpfen: Der Anzeigenumsatz von Mutterverlag Time Inc. (u.a. People, Instyle und Sports Illustrated) sank in den vergangenen Jahren um 30 Prozent. Allerdings schlägt sich Time Inc. weitaus besser als die Konkurrenz auf dem Magazinmarkt. So entschied sich die neue Chefin Laura Lang nach langen internen Zweifel dafür, dass die Time Inc.-Magazine in Apples App Store verkauft werden. Zwar gehen dabei 30 Prozent der Erlöse an Apple, doch das Magazin ist im Gegenzug "dort wo die Menschen sind". Zudem ist Time Magazine die erste US-Publikation, die eigens einen Redakteur für spezielle Smartphone-Inhalte eingestellt hat.

Hearst
Das Verlagshaus Hearst glaubt nach wie vor an die Profitabilität von Zeitschriften. Das Unternehmen setzte Ende Januar 2011 ein Ausrufezeichen, als es für umgerechnet 650 Millionen Euro das internationale Zeitschriftengeschäft (102 Titel, die in 15 Ländern erscheinen) vom französischen Medienkonzern Lagardère kaufte. Zu den erfolgreichsten Publikationen von Hearst zählen u.a. die Kochzeitschrift Food Network Magazine (monatliche Auflage: 1,3 Millionen Exemplare) sowie die Frauenzeitschriften Good Housekeeping, Country Living und Redbook. Hearst verfolgt im Zuge der Populärität von Tablets wie dem iPad seine Printmarken wie Cosmopolitan und Esqueire multimedial auf diversen Plattformen zu vertreiben.

Condé Nast
Bei Condé Nast, der Magazinsparte von Advance Publications (u.a. Vogue, GQ, Vanity Fair), stiegen die Erlöse aus dem wöchentlichen verkauf von iPad-Versionen der Zeitschriften in den vergangenen Jahren um mehr als 270 Prozent. 2014 sollen bereits 30 Prozent der Erlöse aus dem Digitalgeschäft kommen. Priorität haben jedoch nach wie vor Printausgaben, die von den Lesern, insbesondere von Mode- und Frauenzeitschriften bevorzugt werden. Die Trennung zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung verschwimmt dabei zunehmend. Vogue ging beispielsweise im vergangen Jahr eine Kooperation mit dem italienischen Online-Modeversandhaus Yoox ein. Mittlerweile können alle Artikel auf der Vogue-Homepage direkt über einen Webshop gekauft werden. Style.com eine Internetseite, die ebenfalls aus dem Hause Condé Nast stammt, ist längst ein Hybrid zwischen Modejournalismus und Onlinekatalog. Der Onlineauftritt der GQ (ebenfalls Condé Nast) bietet alle Modeartikel über die berichtet wird, ebenfalls zum Verkauf an.

Mehr dazu:

Huffington Post: Newsweek Ending Print Edition, Going All-Digital In 2013; Job Cuts Expected (18.10.2012)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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