Nach dem Springer-Funke-Deal: die Print-Krise im internationalen Vergleich

26.07.2013

Der gestern verkündete Verkauf eines Großteils von Springers Regionalzeitungen und Magazinen an die Funke Mediengruppe hat erneut die Krise des Printsektors deutlich gemacht. Springer-CEO Mathias Döpfner ist jedoch längst nicht der erste Medienmanager, der erkannt hat, dass das Verlegen von Zeitungen und Zeitschriften dauerhaft keine Zukunft mehr hat. Für internationale Medienkonzerne sind Printsparten längst zu lästigen Anhängseln geworden, die hohe Verluste generieren und den Aktienkurs nach unten ziehen. In den vergangenen Monaten haben mehrere Medienunternehmen versucht, ihre Printsparten zu verkaufen. Gelingt dies nicht wird der jeweilige Geschäftsbereich einfach aus dem Kernunternehmen ausgegliedert oder massiv in neue Märkte investiert, die teilweise nichts mehr mit dem klassischen Mediengeschäft zu tun haben. Die Redaktion von mediadb.eu hat zusammengefasst, wie die größten Verlagshäuser und Medienkonzerne auf den Niedergang des Printmarkt reagieren:

News Corp.
Aufgrund von Druck von Aktionären und den Nachwirkungen des britischen Abhörskandals wurde im vergangenen Juni die defizitäre Printsparte ("News Corp.) von der profitablen Film- und Fernsehsparte (21st Century Fox) abgespalten, die zuvor 90 Prozent des Gewinns generierte. Zwar hat CEO Rupert Murdoch frisches Kapital für den Zukauf neuer Zeitungen zur Verfügung (im Visier sind u.a. die "Los Angeles Times" und der "Chicago Tribune") und träumt weiterhin vom wirtschaftlichen Revival des Zeitungsgeschäft; es ist jedoch vollkommen unklar, wie Murdoch Geldvernichtungsmaschinen wie die "New York Post" oder die Londoner "Times" wieder profitabel machen kann (das nach wie vor profitable "Wall Street Journal" genießt aufgrund seiner Fokussierung auf Wirtschaftsthemen eine Sonderstellung). Murdochs letzter Versuch mit der kostenpflichtigen iPad-Zeitung "The Daily" den Zeitungssektor zu revolutionieren, scheiterte grandios.

Time Warner
Wenn ein renommierter Medienkonzern wie Time Warner (bei dem Mathias Döpfner im Aufsichtsrat sitzt) kein Interesse mehr an den bekanntesten Magazinen aller Zeiten - Time Magazine, People, Sports Illustrated - mehr hat, wie schlecht muss es dann um das Magazingeschäft im Allgemeinen stehen? Im Frühjahr hatte Time Warner-CEO Jeff Bewkes vergeblich versucht, den Traditionsverlag Time Inc. an Meredith Corp. zu verkaufen, einen Frauenzeitschriften-Verlag aus Iowa. Als dieses nicht gelang, folgte der Konzern dem Vorbild von News Corp. und gliederte den Verlag als eigenständiges Unternehmen aus. Die wirtschaftliche Situation von Time Inc. bleibt unverändert katastrophal: In den letzen zehn Jahren ist der Umsatz des Verlags um 40 Prozent auf 3,4 Milliarden US-Dollar geschrumpft, der Gewinn hat sich seitdem auf 420 Millionen Dollar halbiert. Allein im letzten Quartal 2012 sank der Umsatz um sieben Prozent auf 967 Millionen.

Gannett
Gannett war lange Zeit vornehmlich als US-Zeitungshaus bekannt. Welchen Stellenwert Zeitungen für den Konzern haben, wurde Anfang des Monats deutlich, als Gannett für 1,5 Milliarden US-Dollar 20 Fernsehsender von der Belo Corp. kaufte. Damit ist Gannett anstelle eines Verlagshauses innerhalb kürzester Zeit zu ein TV-Konzern mutiert. Die Zukunft der rund 80 Zeitungen und 800 Magazintiteln, die Gannett verlegt, ist offen.

Advance
Advance generiert mit seinen Hochglanz-Titeln wie u.a. GQ, Vanity Fair und Vogue ohne Frage noch stattliche Umsätze und Gewinne. Im Zeitungsektor sieht das jedoch anders aus: Im Herbst 2012 wurde die Erscheinungsweise von sechs von Advances Tageszeitungen ("The Times-Picayune" aus New Orleans, die "Birmingham News", der "Press Register" und die "Huntsville Times" aus Alabama, "The Post-Standard" aus Syracuse und "The Patriot-News" aus Harrisburg) auf nur noch drei Tage die Woche reduziert. An den restlichen Tagen müssen die Leser mit einer zentral gesteuerten und boulevardisierten Webseite vorlieb nehmen. New Orleans, dass noch immer mit den Folgen der Hurricane-Katastrophe aus dem Jahr 2005 zu kämpfen hat, wurde damit die traurige Ehre zuteil, die erste US-Metropole ohne tägliche Zeitung zu sein. Zusätzlich wurde ein Drittel der jeweiligen Belegschaft vor die Tür gesetzt werden. Viel wichtiger als Zeitungen sind für Advance längst Beteiligungen an Start-Ups und Online-Portalen wie etwa Reddit.com geworden.

Hearst
Als privates Familienunternehmen veröffentlicht Hearts keine offiziellen Geschäftszahlen. Das Wirtschaftsmagazin Forbes geht jedoch davon aus, dass Hearst im vergangenen Jahr seinen Umsatz auf 3,8 Milliarden US-Dollar stabilisieren konnte. Aktivitäten ausserhalb des Printmarktes legen jedoch nahe, dass der Konzern sich vom Magazingeschäft unabhängiger machen will. Die Diversifikation des Unternehmens wird unbeirrt fortgeführt. Längst gleichen profitable Beteiligungen, etwa an der Ratings-Agentur Fitch, oder Aktivitäten auf dem Markt für Informationen für Krankenversicherungen eventuelle Verluste im Printsektor aus. Ein weiterer Fokus liegt auf der Ausweitung von Hearst Fernsehaktivitäten. Im April ging der Esquire Network auf Sendung, der auf dem gleichnamigen Magazintitel beruht.

Washington Post Company
Die "Washington Post" hat sich innerhalb der letzten Dekade von einer profitablen Qualitätszeitung zu einem kaputt gesparten Millionengrab entwickelt, dessen Newsroom auf die Hälfte seiner einzigen Größe geschrumpft ist. Der Mutterkonzern hat sich indes von einem Medienunternehmen in eine Art Private Equity Gruppe verwandelt, die scheinbar wahllos in medienfremde Märkte investiert. Zuletzt sorgten Beteiligungen an privaten Altersheim-Betreibern und die Übernahme eines Zubehör-Herstellers für chinesische Industrie-Öfen für Kopfschütteln.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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