Nach dem Rücktritt: Apple ohne Jobs

25.08.2011

Nachdem Steve Jobs aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des CEOs bei Apple zurückgetreten ist, hat der bisherige COO Tim Cook seine Nachfolge angetreten. Cook soll Erfolg und Kontinuität bei Apple garantieren, auch wenn Jobs nicht mehr in das operative Tagesgeschäft involviert ist. Dennoch sind Apple-Fans, Anleger und Experten skeptisch. Die Apple-Aktien verloren nach Jobs Rückzugverkündung zeitweise sechs Prozent ihres Wertes. Die Redaktion von mediadb hat die wichtigsten Fragen und Informationen zu Jobs Abgang zusammengetragen und analysiert:

1. Wie sieht Steve Jobs neue Rolle bei Apple aus?
Jobs hat in seinem Abschiedsbrief betont, über sein Mandat als Vorsitzender des Aufsichtsrat weiterhin Einfluss auf die Ausrichtung von Apple ausüben zu wollen. Dies beinhaltet ein Mitspracherecht bei der Entwicklung neuer Produkte sowie bezüglich der allgemeinen Strategie. Der IT-Reporter und Jobs-Kenner Walt Mossberg hat in einem Artikel für Allthingsd.com klargestellt, dass Jobs zwar ernsthaft krank sei, jedoch immer noch "sehr lebendig" sei. So wäre es etwa denkbar, dass Jobs weiterhin auf Apple-Konferenzen neue Produkte vorstellt, da sein Nachfolger Tim Cook nicht gerade als Entertainer oder begnadeter Redner gilt.

2. Wer ist Tim Cook?
Es ist nicht das erste Mal, dass Cook bei Apple das Ruder übernimmt. So vertrat er Jobs bereits Anfang dieses Jahres wegen dessen Erkrankungen als CEO, ebenso wie zuvor in den Jahren 2004 und 2009. Jobs und Cook bildeten in den vergangenen Jahren ein kongeniales Duo: Jobs entwickelte gemeinsam mit Chefdesigner Jonathan Ive die Produkte, Cook zeichnete sich für die kostengünstige Herstellung, Lagerung und Distribution verantwortlich. Geboren in den Südstaaten der USA, heuerte Cook 1998 bei Apple an und machte sich sofort daran, die ineffiziente und kostenintensive Herstellung von Apple-Computern zu verbessern. Er gilt als weniger temperamentvoll als der Choleriker Jobs - jedoch ebenso verbissen und hart gegenüber Mitarbeitern. So zwang er einst während eines laufenden Meetings einen Untergebenen dazu, auf direkten Weg einen Flieger nach China zu nehmen, um dort den Produktionsprozess zu überwachen. Der Workaholic hat eine Obsession in Bezug auf den ehemaligen Rad-Profi Lance Armstrong entwickelt, den er regelmäßig in Meetings zitiert.

3. Wie wird sich der Wechsel an der Führungsspitze auswirken?
Apple wird zumindest auf mittelfristige Sicht auch ohne Jobs als Chef weiterhin höchst profitabel bleiben. Die Marktführerschaft in den Bereichen Musikplayer (iPod), Smartphones (iPhone) und Tablet-Computern (iPad) wird auch ohne Jobs beibehalten oder ausgebaut werden. Apples ambitioniertes Projekt - eine Neuauflage von Apple TV, das die Art und Weise wie Menschen fernsehen revolutionieren soll - wurde von Jobs in den vergangenen Jahren angestoßen und wird ohne ihn weitergeführt werden.

Mehr dazu:

- Farhad Manjoo (Slate): Who Needs Him? (25.08.2011)

- Fortune: The Genius Behind Steve (10.11.08)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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