N 24: Auch Permira betont gesellschaftspolitische Verantwortung

09.02.2010

Der Finanzinvestor Permira, der wie die Beteiligungsgesellschaft KKR 50 Prozent an der Sendergruppe ProSiebenSat.1 hält, will die Nachrichtenproduktion nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachten. „Als großer Medieninvestor wissen wir, dass wir zu unserer gesellschaftspolitischen Verantwortung stehen müssen“, sagte Jörg Rockenhäuser, Deutschland-Chef des Private-Equity-Unternehmens, im Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Fast wortgleich hat sich ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling bereits im Januar 2010 im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geäußert: „Um es klar zu sagen: Wir wollen auf unseren großen Sendern weiterhin Nachrichten im jetzigen Umfang zeigen und unserem gesellschaftspolitischen Auftrag gerecht werden.“

Der ProSiebenSat.1-Chef war zuvor in die Kritik geraten. Der Fernsehmanager hatte angekündigt, einen Verkauf des Nachrichtensenders N24 ebenso zu prüfen wie eine grundlegende Reform des Senderkonzepts. Im November 2009 ließ Ebeling sich mit den Worten zitierten: „Nachrichten sind vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern.“ Die Beschäftigten protestierten mit einem Offenen Brief, der Deutsche Journalisten-Verband warnte vor einer „Informationswüste“, Medienpolitiker wurden hellhörig.

Rockenhäuser stärkte dem Vorstandsvorsitzenden des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 nun den Rücken. Ebeling habe „völlig zu Recht“ die Frage aufgeworfen, ob der Sender sein jüngeres Zielpublikum mit den herkömmlichen Nachrichten noch erreiche, sagte der Permira-Chef. Da der zur Sendergruppe gehörende Nachrichtenkanal N24 Millionenverluste verursache, sei es „doch logisch“, dass der Vorstandsvorsitzende über Alternativen nachdenke, so Rockenhäuser. Er bestätigte, dass derzeit Verhandlungen mit dem Medienunternehmer und früheren „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust und dem N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann laufen, die N24 gemeinsam übernehmen möchten.

Mehr dazu:

- Der Spiegel: „Wir haben genug Munition“ (Nr. 6/2010 vom 08.02.2010, S. 90 – 91)
- ARD: Treueschwur eines Finanzinvestors (08.02.2010)
- horizont.net: Permira steht weiter zu ProSiebenSat.1 (08.02.2010)

- FAZ: „Der Verkauf von N24 ist eine Option“ – Interview mit T. Ebeling (13.01.2010)
- Süddeutsche Zeitung: „Zuschussgeschäft Nachrichten“ – Interview mit T. Ebeling (27.11.2009)

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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