Meredith, Comcast, Sinclair: US-Medienlandschaft vor weiterer Konsolidierungswelle

20.11.2017

David Koch (Gage Skidmore CC BY-SA 3.0)

Der wachsende Einfluss von Milliardären auf das Printgeschäft, der Ausverkauf von Teilen des Murdoch-Imperiums und eine richtungsweisende Entscheidung der Regulierungsbehörde FCC - die jüngsten Entwicklungen lassen Kritiker vor einer weiteren Konsolidierung der Medienmacht in den Händen einiger weniger Konzerne und Individuen warnen.

So stehen die für ihre Spenden an konservative Politiker in der Vergangenheit mehrfach kritisierten Brüder Charles und David Koch nun offenbar vor einem indirekten Einstieg in das Magazingeschäft. Die Kochs haben entschieden, das Verlagshaus Meredith finanziell bei dessen angestrebter Komplettübernahme des traditionsreichen, seit Jahren jedoch kriselnden Time-Verlag zu unterstützen. Für eine Finanzspritze von 600 Millionen Dollar, ohne die Meredith nicht in der Lage wäre, die Transaktion zu stemmen, wird das steinreiche Brüderpaar im Gegenzug Anteile am neuen Meredith-Time-Konglomerat (dann u.a. Sports Illustrated, TIME, Better Homes) halten. Die Kochs haben zwar schon verkündet, die Investion in Meredith sei finanziell und nicht politisch motiviert. Doch für Beobachter macht ein Einstieg in das wirtschaftlich schwer unter Druck geratenen Magazingeschäft wirtschaftlich eigentlich keinen Sinn - vor allem wenn man ihn mit den anderen Investments der Koch-Brüder in Rohstoffe und Immobilien, die jährlich hundere Millionen Dollar an Umsätzen generieren.

Derweil macht der Murdoch-Clan tatsächlich Ernst mit seinem Vorhaben, einen wesentlichen Teil von 21st Century Fox zu verkaufen. Nachdem es bereits entsprechende Gespräche mit Walt Disney gegeben hat, verhandelt der Konzern nun auch mit Comcast über den Verkauf seines Hollywood-Studios sowie diverser Kabelsender. Sollte Comcast den Zuschlag erhalten, würde das zweitgrößte Medienunternehmen der Welt noch größer werden. Bereits 2011 konnte Comcast durch die Übernahme von NBC Universal seine Größe verdoppeln und wuchs vor zwei Jahrend durch den Kauf von Dreamworks Animation weiter. Murdochs Verkaufswille wird allgemein als Zeichen gewertet, dass selbst ein Top10-Unternehmen wie News Corp./21st Century Fox nicht mehr groß genug ist, um mit den im Zuge von Mega-Mergern entstandenen Riesen wie Comcast oder bald AT&T-Time Warner sowie Netflix, Apple, und Facebook mitzuhalten.

Hinzu kommt, dass die FCC vergangene Woche entschieden hat, die Besitzbeschränkungen für lokale TV-Sender signifikant zu lockern. Gemäß einer Abstimmung, die liberale Medienbeobachter, Verbraucherschützer und Medien-Reform-NGOs mit Entsetzen zur Kenntnis nahmen, dürfen Medienkonzerne nun auch in verschiedenen Mediensegmenten (Radio, Zeitungen und TV-Sender) innerhalb eines regionalen Marktes aktiv sein sowie de facto landesweit soviele Rundfunkstationen erwerben, wie sie möchten. Kritiker sprechen deshalb schon vom Anfang vom Ende von Regionalprogrammen und einer weiteren Vereinheitlichung des Programms. Die Aushebelung bestehender Beschränkungen ebnet auch den Weg für die kontroverse Übernahme der Tribune-TV-Stationen durch die politische konservative und Trump-nahme Sinclair Broadcasting-Gruppe. Insgesamt müssen sich die US-Rezipienten in den kommenden Jahren wohl auf eine weitere Vereinheitlichung und politische Polarisierung der Medien einstellen.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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