Medienkonzerne in China: Selbst-Zensur oder Ausschluss

11.11.2013

Die wachsende Bedeutung Chinas im internationalen Film- und Medienmarkt zwingt westliche Medienkonzerne zu immer stärkeren Formen von Selbstzensur. Ob Berichterstattung internationaler Zeitungen oder die Kooperation zwischen Hollywood und der chinesischen Filmindustrie - sämtliche Inhalte müssen an die Vorstellungen der heimischen Eliten angepasst werden, ansonsten droht der Ausschluss aus China. Jüngst sorgte ein Bericht der New York Times für Aufsehen, wonach Medienkonzern Bloomberg seine China-Korrespondenten angewiesen haben soll, investigative Recherchen über die Beziehungen von chinesischen Super-Reichen zum politischen Establishment einzustellen, da ansonsten zukünftig überhaupt keine Berichterstattung über China mehr möglich sei. Bei Hollywoods Bestreben auch auf dem zweitgrößten Filmmarkt der Welt erfolgreich zu sein, ist die Lage ähnlich. Seit geraumer Zeit schon lassen sich die Filmstudios von der kommunistischen Partei in Inhalt und Form der größten Blockbuster hineinreden. Die Redaktion von mediadb.eu hat die jüngsten Fälle westlicher Selbstzensur in China zusammengefasst:

(Selbst)-Zensur von westlichen Journalisten
Matthew Winkler, Chefredakteur von Bloombergs Nachrichtenarm, zog einen beachtenswerten Vergleich, als er versuchte, die proaktive Selbstzensur seiner China-Korrespondenten öffentlich zu verteidigen: genau wie in Nazi-Deutschland sei die enge Kooperation mit den chinesischen Presse-Behörden die einzige Möglichkeit, weiterhin in China journalistisch präsent zu sein. Winkler, dürfte dabei auch wirtschaftliche Gründe im Hinterkopf gehabt haben, schließlich verkauft Bloomberg auch tausende Terminal-Computer an chinesische Geschäftsleute. Dennoch will Winkler offenbar vermeiden, was anderen Medienkonzernen in den vergangenen Jahren passiert ist. Nach regierungskritischen Berichten wurden etwa die Webseite der New York Times in China gesperrt sowie deren Korrespondenten Einreise-Visa verweigert. Gleiches widerfuhr jüngst dem langjährigen China-Reporter von Reuters, Paul Mooney. Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera sah sich sogar gezwungen, sein gesamtes China-Büro zu schließen. Und Bloomberg selbst hat schon schlechte Erfahrungen mit den chinesischen Presse-Behörden gemacht: Seit der Veröffentlichung von Berichten über die Vermögen des neuen Parteichefs Xi Jinping ist die Bloomberg News-Website in China ebenfalls gesperrt. Für einen Wirtschaftsinformationsdienstleister wie Bloomberg hätte ein endgültiger erzwungener Rückzug (den die erneuten kritischen Recherchen ohne Frage zur Folge gehabt hätte) aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Feld gravierende Folgen.

Hollywoods Selbstzensur
US-Medienkonzerne operieren in China in einem Umfeld, dass ihren Inhalten prinzipiell feindlich gegenüber steht. So befürworten Hardliner innerhalb derkommunistischen Partei seit geraumer Zeit, sämtliche US-Filme aus der Primetime des chinesischen Fernsehens zu verbannen. Erst im Januar 2012 äußerte sich der damalige Präsident Hu Jin-Tao zu dem Einfluss von Hollywood auf das nationale Bewusstsein: "Wir müssen uns eindeutig eingestehen, dass internationale, feindliche Kräfte zunehmend ihren Plan in die Tat umsetzen, China zu verwestlichen und zu spalten. Ideologische und kulturelle Felder sind die Objekte lang andauernder Infiltrierung."

Doch der wachsende chinesische Kinomarkt (allein 2011 wuchsen die Besucherzahl um 35 Prozent) ist für Hollywood wirtschaftlich zu bedeutsam, um sich den inhaltlichen Vorgaben der KP zu widersetzen. Großproduktionen wie "Iron Man 3" oder "Pacific Rim" mussten bereits chinesische Schauplätze in die Handlung integrieren, um von den Filmbehörden zugelassen zu werden. Um das rigide Quotensystem für ausländische Filme zu umgehen (pro Jahr dürfen nur zwanzig ausländische Filme plus 13 weitere 3D-Filme in die chinesischen Kinos kommmen) muss zudem mindestens eine Hauptrolle von einem chinesischen Schauspieler gespielt, mindestens eine Szene in China spielen und der chinesische Zensurbehörde das Recht eingeräumt werden, gegebenenfalls Veränderungen am Endprodukt vornehmen zu können. Die erfolgreiche Neuauflage von "Karate Kid" aus dem Jahr 2010 gilt als Vorbild für amerikanisch-chinesische Koproduktionen. Inhaltlich tabu sind dagegen exzessive Gewaltdarstellungen und religiöse Inhalte. Experten glauben daher, dass Hollywood künftig noch stärker auf das Fantasy-Genre setzen wird, um sämtliche möglichen Referenzen auf soziale oder politische Entwicklungen der Gegenwart effektiv zu vermeiden.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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