Malone & Charter Comm.: Interesse an Time Warner Cable

01.07.2013

In Deutschland wurde Kabelbaron John Malone jüngst bei der geplanten Übernahme von Kabel Deutschland von Konkurrent Vodafone ausgestochen. Doch in den USA hat der Chef von Liberty Media und Liberty Global längst eine neue Einkaufstour geplant. Mit dem Kabelnetzanbieter Charter Communications, an dem er seit März diesen Jahres 27 Prozent der Anteile hält, will Malone Konkurrent Time Warner Cable übernehmen (ist nicht Teil des gleichnamigen Medienkonzerns). CEO des neuen Unternehmens würde dann Thomas Routledge werden, dem jetzigen CEO von Charter. Doch noch sträubt sich das Time Warner Cable Management um CEO Gregory Maffei gegen das Angebot von Charter, das mit einem Marktwert von rund 12,5 Milliarden US-Dollar nur ein Drittel so groß ist wie TW Cable. Sollte der Deal tatsächlich realisiert werden, würde der Kabel- und Breitbandmarkt weiter konsolidiert werden und die Medienindustrie vor entscheidenden Umwälzungen stehen. Die Redaktion von mediadb.eu hat die mögliche Übernahme auf die Malones Motive und mögliche Folgen untersucht:

1. Was erhofft sich John Malone von Charter/TW Cable?

Malone verkündete kürzlich, dass der Kabel- und Internetmarkt reif "für eine weitere Konsoldierung" sei. Ende der 1990er Jahre verkaufte Malone noch seine Anteile am Unternehmen Tele-Communications an AT&T, weil er die damals strikten Regulierungsbestimmungen der Aufsichtsbehörde FCC fürchtete. Nun ist von diesen Bedenken wenig geblieben und er möchte von den momentan geringen Zinssätzen Gebrauch machen und die Reichweite von Charter ausbauen, um eine bessere Position für Verhandlungen mit Inhalteproduzenten wie Walt Disney, Viacom oder News Corp. zu erhalten. Eine erhebliche Rolle spielt auch die dominante Position von Comcast, der Nummer Eins unter den Kabelanbietern in den USA (und den globalen Medienkonzernen). Comcast hatte im ersten Quartal 2013 rund 21 Millionen Kabel-Videokunden; durch die Übernahme von TW Cable könnte Charter mit einem Kundenstamm von dann immerhin rund 16 Millionen näher an den Marktführer heranrücken.

Doch nicht nur das klassische Kabel-TV und Pay-TV-Geschäft ist für Malone interessant. Mindestens ebenso attraktiv ist das Breitband-Internet-Geschäft, das die Kabelanbieter ebenso anbieten. Legendär ist in diesem Zusammenhang Malones Aussage, "die Leute würden eher verhungern als auf eine schnelle Internet-Verbindung zu verzichten." Online-Video-on-Demand-Portale wie Netflix oder Hulu sind auf leistungsstarke High-Speed-Internetzugänge für ihr Angebot angewiesen; ein mögliches Motiv für Malone könnte darin bestehen, die Kunden für höhere Datenmengen künftig zur Kasse zu bitten.

2. Welche Auswirkungen könnte die Übernahme haben?
Aus Kundensicht ist es sicherlich zunächst positiv, dass Comcast mit Charter/Time Warner Cable einen ernstzunehmenden Konkurrenten bekommen würde, was theoretisch zu erhöhten Wettbewerb und niedrigeren Preisen führen könnte. Allerdings würde es keine direkte Konkurrenz geben, da die Unternehmen in unterschiedlichen lokalen Märkten präsent sind und dort jeweils quasi Monopol-Stellungen innehaben. Rund 80 Prozent aller Amerikaner können sich ihren Internet- und Kabelanbieter nicht auswählen, da es in ihrem Wohnort nur einen Anbieter gibt. Stattdessen würde eine weitere Konsolidierung zu erneuten Preissteigerungen für Triple-Play-Pakete führen, wie sie seit Jahren zu beobachten sind. Time Warner Cable ist längst nicht der einzige Übernahmekandidat: andere Unternehmen, die in Zukunft geschluckt werden könnten, sind unter anderem Cablevision und Cox Communications.

Mehr dazu:

New York Times: Talk of Mergers Stir the Big Players in Cable TV (30.06.2013)

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