Konsolidisierung des US-Kabelmarktes: Warten auf FCC-Genehmigung

01.04.2015

(CC by Dwight Burdette)

Die geplante Übernahme von Time Warner Cable durch Comcast sowie die wachsende Popularität von Streamingportalen hat einen Prozess der Konzentration im Kabelsektor der USA befeuert, an dessen Ende möglicherweise nur noch vier dominante Kabel- und Satellitenprovider stehen könnten: Comcast, DirecTV, Charter Communications und Dish Network. Den neuesten Beitrag zur gegenwärtigen Übernahmewelle lieferte gestern Charter Communications. Das von "Kabelbaron" John Malone kontrollierte Unternehmen gab ein Kaufangebot in Höhe von 10,4 Milliarden US-Dollar für den sechstgrößten Kabelanbieter Bright House Networks ab, der wiederum Teil des Medienkonzerns Advance Publications ist.

Charter hatte zuvor vergeblich versucht, die bisherige Nummer Zwei auf dem Kabelmarkt, Time Warner Cable, zu übernehmen - wurde dabei jedoch von Comcast ausgestochen. Die Aussicht auf ein übermächtiges Comcast/TWC-Konglomerat zwang Charter nun zum Handeln. Um neben Comcast bestehen zu können und um die auf Dauer wohl unabwendbare Migration der Kabelkunden zu onlinebasierten Streamingportalen abzufedern, muss Charter wachsen. Mit dem Kauf von Bright House würde Charter, das momentan vor allem in den Bundesstaaten Kalifornien, Alabama, Georgia und Michigan präsent ist, sein Kundenstamm insbesondere in Florida ausbauen (große US-Kabelkonzerne konkurrieren in der Regel nicht miteinander in den selben geographischen Märkten). Ziel ist es, zweitgrößter Kabelkonzern sowie hinter Comcast, DirecTV und Dish viertgrößter Anbieter von Pay-TV zu werden.

Die Transaktion hängt jedoch vor allem davon ab, ob das US-Justizministerium und die Medienaufsichtsbehörde FCC Comcast grünes Licht für den Kauf von Time Warner Cable gibt. Die Prüfung des vor einem Jahr bekannt gewordenen Deals dauert länger als gewöhnlich und wird wohl im Sommer abgeschlossen (Die FCC-Grundsatzentscheidung für die Etablierung des Netzneutralitätsprinzips wurde zuletzt von Beobachtern als Indiz gewertet, dass Comcast trotz millionenschwerer Lobbying-Bemühungen derzeit nicht den gewünschten Einfluss auf das Weiße Haus hat). Sollte der umstrittene Deal untersagt werden, würde auch Charters Kaufangebot für Bright House obsolet werden. Wenn die Behörden die Fusion jedoch genehmigen, wird die Konsolidierung wohl weiter voranschreiten. Charter könnte dann in Betracht ziehen, Übernahmeangebote für Cox Communications oder Mediacom abzugeben. Comcast hingegen, das aufgrund seiner Größe in den USA nicht weiter wachsen kann, wird sich hingegen ausländischen Märkten widmen. Dazu hat das Unternehmen gerade eignes eine vier Milliarden Dollar schwere Investmentgesellschaft gegründet.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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