Konsolidierung des US-Telco-Marktes: Gibt es bald nur noch drei Player?

20.05.2014

Gestern haben sich der US-Telekommunikationskonzern AT&T und der Satelliten-Pay-TV-Anbieter DirecTV auf einen Milliardendeal geeinigt: Für 48,5 Milliarden US-Dollar übernimmt AT&T DirecTV, um sich im zunehmend konzentrierten US-Medien- und Telekommunikationsmarkt zu behaupten. Die Übernahme, die auch als Antwort auf Comcasts angestrebten Kauf von Time Warner Cable zu verstehen ist, muss noch von Regulierungsbehörden genehmigt werden (2011 untersagte die Obama-Administration AT&T in einem ähnlich gelagerten Deal die Übernahme von T-Mobile USA). Während Vertreter von AT&T und DirecTV den Deal als positiv für Wettbewerb und Fernseh- und Internetkunden verteidigen, haben Analysten auf die Ankündigung mit Kopfschütteln reagiert, da sie das Geschäftsmodell von Satelliten-Pay-TV für überholt halten. Verbraucherorganisation und Medien-NGOs hingegen graut es angesichts der zunehmenden Konzentration des US-Telco-Marktes: sie befürchten, bald könnte es landesweit nur noch drei Anbieter geben, während die dringend benötigten Investionen in die Netzstruktur auf der Strecke bleiben. Die Redaktion von mediadb.eu hat den Deal näher beleuchtet.

Was verspricht sich AT&T von DirecTV?
In den letzten Jahren sind exklusive Video-Inhalte immer wichtiger für Internet Service Provider geworden. Konkurrent Comcast hat mit dem Kauf von NBC Universal vorgemacht, welche strategische Bedeutung es hat, gleichzeitig Inhalteproduzent zu sein und die Internetverbindungen bereitzustellen. DirecTV verfügt über exklusive Sportübertragungsrechte und Unterhaltungskanäle (NFL-Football, MLB Baseball und der Game Show Network), die Kunden davon überzeugen sollen, einen kombinierten Pay-TV und Breitband-Internetvertrag bei AT&T abzuschließen. Verbraucherschützer kritisieren, dass in lokalen Märkten, in denen AT&T der einzige ISP ist, Kunden dazu gezwungen werden, einen solchen Vertrag abzuschließen, obwohl sie gar kein Interesse an kostspieligen Pay-TV-Paketen haben (diese Praxis wird als sog. "product tying" bezeichnet"). Gleichzeitig ist AT&T auch an DirecTVs Cashreserven in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar interessiert, um bei der anstehenden Regierungsauktion um Wireless-Breitband-Lizenzen mitzubieten.

Das AT&T-Management ist zudem optimistisch, dass Regulierungsbehörden der Übernahme zustimmen. Der Grund dafür ist die parallel begutachtete Übernahme von Time Warner Cable durch Comcast. Ein kombinierter AT&T-DirecTV-Konzern ist in ihren Augen der einzige nennenswerte Konkurrent von Comcast-TWC. Umgekehrt erscheint es angesicht des AT&T-DirecTV-Deals nun wahrscheinlicher, dass die zuständige Behörde FCC grünes Licht für Comcasts Übernahme gibt.

Welche Einwände gibt es?
Industrieexperten wissen noch nicht so recht, warum AT&T ausgerechnet einen Satelliten-TV-Anbieter übernehmen möchte. Pay-TV (sowohl in Form von Kabelfernsehen als auch Satelliten-TV) wird angesichts des Erfolgs von Over the Top-Anbietern wie Netflix, Hulu oder Amazon TV als kostengünstigere und deshalb immer beliebter werdene Alternative keine guten Zukunftschancen bescheinigt. Immer mehr US-Amerikaner kündigen deshalb ihre astronomisch teueren Pay-TV-Verträge und streamen TV-Inhalte über das Internet ("cord-cutting"). Die 67,1 Milliarden, die AT&T nun inklusive der Übernahme von Schulden für DirecTV ausgibt, sollten, so Industriekenner, lieber in die weitere Verbreitung von ultra-schnellen Glasfaser-Leitungen investiert werden, wie sie insbesondere im asiatischen Raum bereits etabliert sind. Medien-Reform-NGOs wie Free Press bezeichnen den Deal deshalb als dumm und verschwenderisch. Außerdem warnen sie vor negativen Folgen einer weiteren Konsolidierung des Marktes: wenn das von dem japanischen Unternehmen Softbank kontrollierte US-Unternehmen Sprint ernst macht und T-Mobile USA übernimmt, würde es in Zukunft nur noch drei Telekommunikationskonzerne in den USA geben.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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