„Kampfansage an Netflix und Amazon“ (FAZ). Bertelsmann plant eine Fusion seiner Filialen RTL Deutschland und Gruner + Jahr.

16.08.2021

Anfang August 2021 wird bekannt, dass Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender und RTL-Chef Thomas Rabe (56) sich einen Zusammenschluss seiner Fernsehgruppe RTL Deutschland (RTL, N-TV, Vox, Super RTL, bald „Toggo“) mit dem auch konzerneigenen Hamburger Zeitschriften-Verlag Gruner und Jahr („Stern“, „Geo“, „Brigitte“, „Capital“, „Schöner Wohnen“, „Eltern“, „Art“) vorgenommen hat. TV schluckt Print (geplant am 01.01.2022), RTL würde die Magazingeschäfte und Marken von G+J für 230 Millionen Euro übernehmen. Hamburg bleibt Sitz von Gruner und Jahr auch nach der Fusion, 1.700 Journalisten werden in dem neuen Unternehmen arbeiten, die 25,5-prozentige Beteiligung am „Spiegel“ bleibt bei Bertelsmann.

Fernseh-, Streaming-, Radio- und Printformate in einer Hand: Thomas Rabe hat nach eigenem Bekunden „leichte Euphorie“ ergriffen. Die beiden Unternehmen können „ihr Wachstumspotential so gemeinsam besser ausschöpfen“. Man wolle „nicht einfach so weiterwerkeln“ wie bisher. Kein anderer Medienkonzern „hierzulande kann ein derartiges, gattungsübergreifendes Wachstumsbündnis schaffen“, so Rabe. Die Mediengeschäfte auf dem deutschen Markt seien im Wettbewerb mit globalen Tech-Plattformen wie Netflix, Google oder Amazon gestärkt.

Vorteile eines solchen Medienverbunds: Exklusive Inhalte etwa im neuen Ressort „Stern investigativ“, bessere Cross-Promotion, Kooperation in einer „Ad Alliance“ und einer „Content Alliance“, RTL als „Powerhouse für unabhängigen Journalismus, Inspiration und positive Unterhaltung“. Für mehr Seriosität. Die Ex-ARD-Leute Jan Hofer und Pina Atalay sollen das Nachrichtenmagazin „RTL direkt“ moderieren, parallel zu den „Tagesthemen“.

Zweifel am RTL/G+J-Medienverbund kommen etwa vom österreichischen RTL-Gründer Helmut Thoma. „Was soll denn da herauskommen? Wo sollen denn, bitte schön, all die tollen Inhalte herkommen?“ Ist es nur ein „Marketingkonzept“ zur „Abwicklung des einstigen Großverlags G+J“ (Handelsblatt)? Nur die „Technokraten-Fantasie“ der Fusion zweier doch kulturell sehr unterschiedlicher Konzerne? Bei RTL mache man sich über die „linksorientierte Geldvernichtungsmaschine“ aus Hamburg lustig, bei Gruner und Jahr über „die alte Trashkultur“.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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