Icahn, Loeb, Buffett: Investoren gewinnen in Medienkonzernen an Einfluss

16.08.2013

Sie erwerben nicht nur passiv signifikante Anteile an Unternehmen, sondern wollen durch ihre Investitionen aktiv den Kurs von Unternehmen mitbestimmen: sog. activist investors mischen derzeit auch die Medienkonzernwelt auf. Ob Personalentscheidungen, Strategiewechsel oder Umstrukturierungen: Star-Investoren wie Carl Icahn, Dan Loeb oder Warren Buffett (Foto) konnten in den vergangenen Monaten und Wochen ihren Einfluss auf die Geschäftsführung entscheidend ausbauen. Die derzeitigen strategischen Ausrichtungen von Medien- und Onlineunternehmen wie z.B. Sony, Yahoo, Apple oder der Washington Post Company werden maßgeblich durch die Interessen der Investoren bestimmt. Die Redaktion von mediadb.eu stellt die momentan aktivsten Investoren in Medienkonzerne vor:

Carl Icahn
Icahn hat in den vergangenen Tagen mit seinem Einstieg bei Apple für Schlagzeilen gesorgt. Icahn, der auch rund zehn Prozent der Anteile an Netflix besitzt, hält den zuletzt mit Krisensymptomen kämpfenden Konzern offenbar für unterbewertet. Es wird bereits darüber spekuliert, dass Icahn Insiderinformationen über neue Apple-Produkte hat (etwa Apples smartwatch, eine iOS-basierte Spielekonsole oder eine generalüberholte Version von Apple TV), die den Aktienkurs in den nächsten Monaten wieder in Richtung des Höchststands von 700 US-Dollar treiben könnte. Auch Icahn Investor-Kollege George Soros hat jüngst in Apple investiert.
Icahn ist kein Unbekannter in der Medien- und Technologiebranche: 2005 versuchte erfolglos Time Warner zu zerschlagen; 2008 beteiligte er sich an einem Konsortium, das ebenfalls erfolglos probierte, die Übernahme von Yahoo durch Microsoft einzufädeln. Kritiker werfen Icahn, der als Vorbild für den skrupellosen Broker Gordon Gekko im Film "Wall Street" diente, regelmäßig vor, seine Spekulationen auf dem Rücken der Belegschaft der Konzerne zu betreiben, in die er investiert.

Daniel Loeb
Einer der umtriebigsten Investoren der internationalen Medienindustrie war im vergangenen Jahr Daniel Loeb. Der Chef des Investmentfonds Third Point widmete sich zuerst Yahoo. Dort wurde auf sein Betreiben Kurzzeit-CEO Scott Thompson wegen eines gefälschten Lebenslauf entlassen und die prominente Google-Managerin Marissa Meyer installiert. Sämtliche spektakulären Übernahmen unter Mayer (darunter der eine Milliarde US-Dollar teure Kauf des Blog-Netzwerks tumblr) sollen angeblich von Loeb forciert worden. Denn der kriselnde Yahoo-Konzern bekam durch die Personalie Mayer und die aufsehenerregenden Übernahmen wieder positive Erwähnungen in der Wirtschafts- und IT-Presse, woraufhin sich auch der Aktienkurs wieder erholte. Die Kritiker, die Dan Loeb seit eh und jeh eine kurzfristige pump and dump-Strategie vorwerfen, sollten auch im Fall von Yahoo Recht behalten: Loeb hat einen Großteil seiner Aktienanteile im Sommer diesen Jahres wieder verkauft.
Aktuell muss sich Sony-CEO iHirai gegen eine von Loeb angeführte Aktionärsgruppe behaupten, die fordert, das lukrative Musik-, Film- und Versicherungssegment vom Unternehmen abzuspalten um das kriselnde Elektronik-Geschäft querzufinanzieren.

Warren Buffett
Im Gegensatz zu Icahn und Loeb gilt Warren Buffett mit seinem Berkshire Hathaway-Konglomerat als langfristig denkender Investor, der auch weniger direkten Einfluss auf die Management-Ebene ausübt. So hält er beispielsweise seit vierzig Jahren Anteile an der Washington Post Company. Inwieweit der im Aufsichtsrat des Unternehmen sitzende Buffett in die Entscheidung eingebunden war, die Zeitung "Washington Post" an Amazon-Gründer Jeff Bezos zu verkaufen, ist unklar. Beobachter zeigten sich zumindest überrascht, dass der ebenfalls im Zeitungsgeschäft tätige Investor, das Traditionsblattn nicht selbst übernommen hat. Offenbar glaubt Buffett nicht mehr an die Zukunft von überregionalen Zeitungen. Stattdessen hat Berkshire Hathaway in den vergangenen Jahren in zahlreiche Regionalzeitungen investiert, darunter "The Press of Atlantic City" oder die "Roanoke Times" aus Virginia. Zusätzlich erwarb Buffet vor kurzem Anteile am Satellitenbetreiber Dish Network. Es wird bereits spekuliert, dass Buffett Informationen über eine mögliche Fusion zwischen Dish und Konkurrent DirecTV hat, die den Einstieg zu einer lohnenden Investition machen würde.

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

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